2/18/2016

[writerslife] Stresstier

Hallo meine Lieben!

Blau, blau, blau blüht der Enzian. Es tut mir aufrichtig leid, aber bevor ich mit diesem Post anfange, hatte ich das tiefe Bedürfnis, euch einen sehr, sehr fiesen Ohrwurm in den Kopf zu setzen. (Ich leide mit euch, ich singe diese Zeile schon den ganzen Tag) Und nun erst mal einen kurzen Slow-Clap für meine Fähigkeit des lässigen Einleitung-Umgehens. Man sollte es nicht meinen bei meinen Im-Durchschnitt-drei-Absatz-Einleitungen, aber es fällt mir manchmal extrem schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn ich mich eine Weile nicht mehr gemeldet habe.

Ich war übrigens nicht tot (oder vielleicht doch? #IstAntoniaEinVampir?), sondern schlicht und ergreifend sehr beschäftigt. Nein, ich habe am Südpol keine Pinguine gerettet oder als Superheld mit geheimer Identität New York City vor dem Weltuntergang bewahrt (oder ohne geheime Identität - ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob diese Anspielung in Richtung Spiderman oder Iron Man gehen soll) (wahrscheinlich Iron Man, Tony Stark ist mit Abstand mein Lieblings-Avenger). Nein. Ich habe meine letzten paar Wochen mit Abivorbereitung zugebracht. Und ja: Ich bin mir durchaus bewusst, dass es andere Abiturienten unter den Buchbloggern gibt, die das irgendwie viel besser hinbekommen mit der Zeit für den Blog. Aber bei mir wird Chaos noch gelebt, meine Freunde, da bin ich altmodisch.

Des weiteren habe ich mich - wie Abonnenten meines Zweitblogs "Fullmetal Note" vielleicht schon mitbekommen haben - von der ganzen Zweitblog-Sache getrennt, was natürlich auch nicht spurlos an mir vorbeigegangen ist. Ich habe die ganze Geschichte noch nicht angebracht, weil ich Anna erst ein wenig Zeit lassen wollte, sich zu sammeln und selbst zu erklären "Wir sind nicht mehr zu zweit, sondern nur noch allein unterwegs". Aber da sie das nun gemacht hat, möchte ich auch noch kurz erzählen, wieso genau es jetzt zu dem Schritt gekommen ist und damit ein Thema aufgreifen, das vielleicht nicht nur mich, sondern viele Menschen betrifft: Stress.

Stress ist meiner Meinung nach nicht mal unbedingt die Anhäufung von Terminen und To-Do-Listen-Punkten. Stress ist schlichtweg ein Zustand irgendwo zwischen Überforderung und erhöhter Produktivität, der meist aus Terminen und To-Do-Listen-Punkten resultiert. Stress ist immer an Ereignisse gebunden, aber Ereignisse nicht zwangsweise an Stress. Stress ist der Umgang mit Ereignissen, nicht mehr und nicht weniger. Stress kann etwas sehr hilfreiches sein, weil es eben zu Höchstleistungen antreibt, Stress kann aber auf lange Zeit ziemlich kaputt machen. Mich hat der Stress der letzten Wochen nicht nur im Geiste sondern letztendlich auch körperlich angegriffen. Kein großes Drama, das sich nicht mit ein oder zwei Tagen Sofa beheben ließe, aber doch ein kleiner "Oho"-Moment, in dem ich ganz froh war, dass ich mich da bereits vor Anna davor entschieden hatte, die Zusammenarbeit auf einem weiteren Blog zu beenden. Stress ist nämlich nicht am schlimmsten, wenn du ihn hast, sondern wenn du mitbekommst, was er mit dir gemacht hat, wenn er vorbei ist. Mehr oder weniger. 

Da lag ich also auf dem elterlichen Sofa, umringt von Katzen, habe Wasser gesüffelt, weil es mir wirklich dreckig ging, und überlegt, wann die Dinge genau angefangen haben falsch zu laufen. Die ganze Geschichte ist nun schon ungefähr drei Wochen per se und ganz gut unter Kontrolle, aber als Einstiegspost nach einer kleinen Pause doch mal etwas, über das ich gern reden würde.

Anna und ich haben im Dezember gemeinsam einen kleinen Blog gegründet, auf dem sie und ich regelmäßig Posts hochgeladen haben. Dabei war Anna immer der aktivere Blogger von uns beiden und ich permanent damit überfordert, irgendwie zwei Blogs auf einmal und die Schule zu schaukeln. Als ich gemerkt habe, dass diese ganze Geschichte mehr als toxisch für mich ist, war meine Magenschleimhaut schon entzündet. Scheiden tut weh, vor allem, weil man während dem Überlegen, wie man es dem anderen nun sagt und infolgedessen noch mehr Angst und Stress, gar nicht merkt, wie notwendig diese Entscheidung eigentlich ist. Wie bereits oben gesagt: Stress ist nicht im Stress direkt schlimm, weil man da gar keine Zeit hat, runter zu kommen und krank zu werden, sondern, wenn er vorbei ist und der Körper sich wieder zwischenmeldet. 

Dieses Phänomen ist mir den in den letzten paar Monaten Oberstufe sehr deutlich nicht nur bei mir sondern auch bei Leuten in meinem Umkreis aufgefallen. Nicht mal unbedingt, weil eben viele Arbeiten kommen, sondern weil man permanent Angst hat, nicht gut genug zu sein und irgendwie nicht zu reichen. So ist das auch mit dem Bloggen: Es ist vollkommen egal, wie viele Posts du bereits geschrieben hast, denn was zählt, ist immer die Angst, nicht genug zu lesen, nicht genug zu schreiben und allgemein irgendwie nicht zu reichen. Ich würde mutmaßen, dass das im Social-Media-Style ein Problem unserer Generation ist (also dieses "Höher, besser, schneller, was-weiß-ich"), glaube das aber eigentlich nicht mal. Ich denke, dass dieses Problem schon sehr viel älter als wir sind. Stress ist ja keine Erfindung des 21. Jahrhunderts.

Aber ich bin eigentlich gar nicht da, um die geschichtlichen Hintergründe von Stress zu klären, sondern einen kleinen Appell an all diejenigen zu richten, die noch mitten im Stress stecken und noch nicht daran denken, das so schnell zu beenden: Macht euch nicht kaputt. Das ist eine Sache, die ich in den letzten Wochen ziemlich oft gehört habe und mittlerweile durchaus nachvollziehen kann. Es ist wichtig, sich von Dingen zu trennen, die euch vergiften und zu einer schlechteren Person machen, als ihr eigentlich seid. Im Extremfall: Brecht die Sache ab. Wenn es nicht ganz so heftig ist, dann überdenkt einfach eure Philosophie. Eure Umwelt ist mit euren Fehlern meist viel kulanter, als ihr denkt. Und wenn ihr dann irgendwann aus eurem Tief herausgekrochen kommt, stellt ihr vielleicht fest, dass alles, vor was ihr solche Angst hattet, nur halb so schlimm ist, wie es sich zu Beginn angefühlt habt. Und dann schreibt ihr vielleicht doch noch die Kurzgeschichte für den Wettbewerb, die ihr schon vor zwei Tagen fertig haben wolltet, und macht doch noch ein bisschen Biozusammenfassung für's Abi und räumt vielleicht doch endlich mal euer Zimmer auf, statt ständig darüber zu verzweifeln, dass ihr das ja auch noch tun müsst. Oder was auch immer euch so beschäftigt. 

Das habe ich im Februar bis jetzt jedenfalls gelernt. Und da die Prüfungen jetzt langsam näher rücken und ich aufgrund der Tatsache, dass ich morgen Deutschvorabitur schreiben werde, doch schon ein bisschen nostalgisch beginne auf meine Schulzeit zurückzublicken: Vielleicht hilft es euch ja zu wissen, dass eine alte Seele wie ich euch sagt, dass Stress letztendlich doch auch temporär sein kann. Auch wenn ihr das manchmal selbst nicht glaubt.

Alles Liebe,
Antonia

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Danke, dass ihr durch eure Kommentare aktiv zum Training von Antonias Sprunggelenken beitragt. Sollte sie nach eurem Kommentar länger nichts posten, liegt es nahe, dass sie sich beim Rückwärts-Flick-Flack nach dem Entdecken einen Wirbel ausgerenkt hat.

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