7/09/2018

Montagsfrage: Inspirieren dich beim Lesen die Handlungen mancher Figuren für dein reales Leben oder trennst du Fiktion strikt davon, weil es nicht real ist?



Es ist der erste Montag meiner Sommerferien und wer wacht Punkt vier Uhr morgens auf? Genau. Ich. Als wäre ich aus meiner Post-Examens-ich-brauche-sechzehn-Stunden-Schlaf-am-Tag-Phase in die Jetzt-wird-Wachzeit-wieder-aufgeholt-Phase geschlittert. Darauf erst einmal einen Milchkaffee (man muss den Morgen ja richtig beginnen). Und, wo ich denn sowieso schon wach bin, die wöchentliche Montagsfrage. Also ohne großes Herumgerede: Here we go.


Inspirieren dich beim Lesen die Handlungen mancher Figuren für dein eigenes Leben oder trennst du Fiktion strikt davon, weil es nicht real ist?


Die Antwort auf diese Frage ist simpel: Ja, ich lasse mich von Handlungen mancher fiktionaler Charaktere inspirieren. Natürlich könnte man damit argumentieren, dass Fiktion eben nicht real und deshalb keine gute Maßeinheit für das echte Leben ist, aber sind wir mal ganz ehrlich. In jedem fiktionalen Charakter stecken sehr menschliche Eigenschaften, die vom Autor bewusst in eine bestimmte Situation gesetzt werden, um eine Botschaft/Lehre/wie-man-es-auch-nennen-will herüberzubringen. Die Botschaft ist freilich in manchen Geschichte tiefgründiger als in anderen, aber letztendlich würde ich behaupten, dass jede Erzählung zumindest eine kleine beinhaltet.

Die Tatsache, dass wir nicht nur Biografien, sondern auch fiktionale Leben von Menschen schreiben können, gibt, wie bereits gesagt, die Möglichkeit eine Botschaft zu überbringen, auch wenn man die Art wie sie überbracht wird nicht selbst erlebt hat. Es ist Quatsch vom Leben zu erwarten, dass hinter jeder Ecke ein Abenteuer oder ein besonders ausgeklügelter Kalenderspruch wartet — manchmal ist das Leben nicht spektakulär (und das ist auch gut so). Aber fast immer, mag ich behauptet, ist das Leben irgendwie lehrreich. Nur halt nicht großartig geplottet. Was die kreativen Gedankenspiralen von Fiktions-Autoren eben so interessant macht. Die sind nämlich meistens lehrreich und gut geplottet. Auch wenn sie (oder gerade weil sie) keine Biografien sind.

Ich bin jetzt zwanzig Jahre alt und ich schreibe bevorzugt Contemporary Fantasy. Wieso? Weil mein Leben aufregend ist ohne wirklich aufregend zu sein. Es hört sich für Außenstehende komplett lächerlich an, dass jemand, der erst zwanzig Jahre alt ist, über das Leben sinnieren kann. Aber, erstens, jeder kann über das Leben sinnieren (ob solides Sinnieren oder Mist ist eine andere Geschichte). Und zweitens, ob ich solider sinniere als jemand, der vierzig ist, hängt ja wohl davon ab, worüber sinniert wird. Ich kann nicht gut zum Thema Kindererziehung sinnieren. Aber, meine Güte, wenn ich erst mal anfange über die Tücken des Erwachsen-Werdens zu sprechen, dann wird es interessant. Mit zwanzig ist man noch nicht erwachsen, aber man ist gerade vollauf dabei erwachsen zu werden. Aber leider sind die Gefühle und Gedanken die in einem vorgehen nicht immer vor einer sonderlich aufregenden Kulisse.

Also schreibe ich über Leben und Sterben und Verlust und Verantwortung und gebe diese Themen an meine Charaktere weiter, während ich sie aufregendere Leben führen lasse als ich das je könnte. Niemand, ich eingeschlossen, will meine Biografie lesen (Spoiler: es sind 18 Jahre in einem Thüringer Dorf und zwei in einer niederländischen Kleinstadt, außerdem gibt es viele Katzen.), aber meine Fantasy-Bücher, mit klarer ausgearbeiteten Botschaften, die sich sonst im banalen Alltag eines Teenagers verlieren würden? Sicherlich. Die Gedanken und Gefühle sind die gleichen, schließlich kann ich keine Gedanken und Gefühle aufschreiben, die ich nicht selbst hatte. (Ich kann so tun als hätte ich ein Gefühl, aber dann tue ich eben nur so und es ist eher eine Gefühls-Fälschung als das echte Gefühl.) Aber es fällt mir leichter die Lehren klarer und interessanter herüberzubringen, wenn sie ein bisschen fiktional aufgepeppt und auf jemand anderen übertragen werden.

Was ich eigentlich damit sagen will (falls die letzten Abschnitte ein bisschen wirr waren, dann, zu meiner Verteidigung a) ich habe schon eine Weile keine Blogbeiträge mehr geschrieben und b) es ist noch nicht mal sechs in der Früh): Wenn ein Autor Fiktion schreibt, schreibt er letztendlich nur sehr reale Gefühle und Gedanken in das interessantere Leben eines erfundenen Menschen. So sehe ich das jedenfalls. Und warum sollte ich dann, als Leser, weniger von diesen Gefühlen und Gedanken lernen? Wieso sollten Lehren weniger lehrreich sein, wenn sie nicht selbst vom Autor erlebt wurden? J.K. Rowling hat, meiner Meinung nach, schließlich ausgezeichnet über Mut und Menschlichkeit in einer faschistischen Autokratie geschrieben, ohne je selbst in einer faschistischen Autokratie gelebt zu haben. Und Millionen werden von den Botschaften über Mut und Menschlichkeit ihrer Bücher inspiriert, auch wenn es keine Magie und keinen Voldemort gibt. Eben weil es um die Botschaft der Metapher und nicht um ihre Ausformulierung in Form einer fiktionalen Geschichte geht.


Wie ist eure Meinung zu diesem ganzen Thema? Lasst es mich gern wissen, bei dieser Frage fände ich einen offenen Dialog sehr interessant. (Und schaut beim aktuellen Beitrag von Buchfresserchen vorbei um euren Senf dazuzugeben!)

Liebe Grüße,
Antonia
Weiterlesen »
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...