4/12/2017

NIEDERLÄNDISCH FÜR ANFÄNGER No.17 | Produktivitäts-Simulation





Produktivitäts-Simulation
(pʀodʊktiviˈtɛːʦzimulaˈʦi̯oːn ; Pro|duk|ti|vi|täts-Si|mu|la|ti|on)


— Typische Tätigkeit von Antonia während Vorbereitung auf Prüfungen, wichtige Abgabetermine oder vergleichende akademische Dinge. Einzige Zeit des Jahres, in der Antonia freiwillig Staubsaugt und sich gern Nägel lackiert, um wirklich wichtigen Dingen auszuweichen.




Mittwoch & Donnerstag, 05/06-04-2017 | The Procrastinator

Es gibt ja wirklich schon viele verrückte Dinge, die ich im Zuge meiner ungesunden prokrastinierenden Persönlichkeit abgezogen habe. Den legendären Ethik-Hausarbeits-Nightjob 2016 zum Beispiel, als ich in der Nacht vor dem Abgabetermin eine 27-Seitige Ethik-Hausarbeit aus dem Boden stampfte und dafür anschließend 15 Punkte einheimste. Ich bin die Person, die zwei Minuten vor ihren Vorträgen noch die Plakatüberschrift in der letzten Reihe fertigstellt und grundsätzlich damit durch kommt. Aber Donnerstag Mittag habe ich dann wahrhaftig den Vogel abgeschossen: Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so knapp ein Paper abgegeben, dass ich das Online-Hochladen während meiner fünfzehnminütigen Fahrradfahrt zur Uni über mein Handy versucht habe zu erledigen. Weiß Gott, ich muss wirklich aufhören zu prokrastinieren. Aber auf Anfang...

An meiner Universität wird sehr viel wert auf eigenes Austragen von Studien gelegt, deshalb bin ich gerade dabei nach meiner nicht-experimentellen Studie mit meiner Gruppe zusammen eine experimentelle Studie zu konzipieren. Meine Paper-Abgabe für die nicht-experimentelle Studie war Donnerstag 12:00 Uhr. Und - zu meiner Verteidigung - ich bin schon die ganze Woche ziemlich gesundheitlich angeschlagen und hatte deshalb ursprünglich mit dem Gedanken gespielt, das Paper erst zum zweiten Versuch im Sommer abzugeben und mir dieses Mal einfach zu schenken.

Spontan habe ich mich dann allerdings Mittwoch und Donnerstag doch noch zur Fertigstellung gezwungen, war natürlich wieder legendär spät dran und habe irgendwann Mittwoch Abend so hart aufgeschoben, dass ich sogar anfing Lernzettel für meine Development-Klausur zu schreiben ("Wenn du schon prokrastinierst, dann prokrastiniere wenigstens produktiv!"). Wie durch ein Wunder habe ich es dann tatsächlich noch geschafft, Paper und Co. pünktlich einzureichen und hochzuladen (wir müssen immer sowohl eine ausgedruckte Kopie einreichen, als auch eine Kopie online hochladen) und bin den restlichen Tag in einen komatösen Schlaf gefallen. 

Freitag, 07-04-2017 | Stadtbummelant 

Nach dem gestrigen Extrem-Paperschreiben habe ich heute entschieden, dass ich mir eine wohlverdiente Kaffee-Pause in der Stadt verdient habe. In meinem Fall war das dann eher eine Smoothie-Pause mit Bleistift-Herumgestocher in meinem Manuskriptblock, Gespräch mit Freundin, Kino mit Freundin, noch mal Gespräch mit Freundin und Bett.

Jetzt habe ich wahrscheinlich als so letzter Mensch der westlichen Welt auch endlich "Die Schöne und das Biest" gesehen und bin trotz anhaltendem Hype der letzten Wochen sehr positiv davon überrascht, wie schön die ganze Sache dann doch war. Das Emma Watson für diese Rolle mehr als perfekt ist, wurde ja wirklich schon genug ausdiskutiert. Aber, Heilige, ist Emma Watson für diese Rolle mehr als perfekt.

Das Einzige, was dieses Film-Highlight noch topen konnte, war a) ein kostenloser Orangensaft beim Backwerk kurz vor Ladenschluss für mich und meine Freundin und b) die geniale Erfindung von 3D-Brillen, die man an richtige Brillen klippen kann, statt zwei Brillen übereinander tragen zu müssen. Wunder der Technik, sage ich euch. Ich war selten so begeistert an einer Kinokasse. Mein Leben ist eine banale Achterbahnfahrt der Gefühle.

Erwähnenswert ist ebenfalls, dass meine Freundin und ich spontan die Entscheidung getroffen haben,  unbedingt morgen nach Amsterdam zum Shoppen fahren müssen. Irgendwie muss meine kommende Development-Klausur ja verdrängt werden. Ich berichte. Kurze Sätze. Stop. Wie beim Militär. Stop. Es ist spät, ich sollte dringend ins Bett. (Stop.)


Samstag, 08-04-2017 | (Nicht ganz so) Allein in Amsterdam

Der heutige Tag in Amsterdam war definitiv meinen routinemäßigen "Allein in Amsterdam"-Ohrwurm wert. Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so effektiv und erfolgreich shoppen. Davon abgesehen werde ich meinem Blogger-Dasein aber wirklich nicht gerecht, weil ich ungefähr fünf Bilder geschossen habe und davon waren bestimmt drei für meine Instagram-Story und die habe ich nicht gespeichert. So viel zum Thema: "Ich brauche neue Städte-Bilder für künftige Blog-Banner, Louisa, deshalb mache ich heute immer mal ein Foto." - Nun kann man schick formuliert argumentieren, dass ich "lieber den Moment genießen wollte, statt nur durch eine Kamera zu blicken" (wie ich es meiner Freundin erklärt habe, als sie auf der Heimfahrt sagte: "Mensch, du hast heute gar keine Fotos gemacht."), aber tief drin weiß ich, dass es zu 95% die pure Faulheit war. Classic Antonia.

Natürlich ist es bei Waterstones wieder eskaliert. Ich traue mich nicht, genau nachzuzählen, wie viele Bücher ich gekauft habe (ihr wisst, es ist schlimm, wenn ihr nicht genau wisst, wie viele Bücher ihr wirklich gekauft habt). Aber drei waren ein echtes Schnäppchen. Und von einem wurde ich angefallen. Ja. Angefallen. Vielleicht habe ich auch nur eine Reihe Bücher aus dem Regal gerissen. Im Stehen. Ohne Bewegung. Und danach wie bei The Office in eine unsichtbare Kamera geschaut. Und dabei das Gesicht einer fremden Frau getroffen. Die dann einen Lachanfall hatte. Im Waterstones. Was wiederum meine persönliche Existenz-Frage aufwirft: Wieso ist mein Leben eigentlich keine Sitcom? Ich bräuchte nicht mal ein Skript, das kommt hier alles von allein.


Sonntag & Montag & Dienstag, 09/10/11-04-2017 | Kärtchenchaos

Nach meinem Tagestrip nach Amsterdam war ich tatsächlich ein durchaus vorbildlicher Student. Kurzzusammenfassung: Karteikarten wurden beschrieben, alle Werkgruppen besucht, von denen ich nicht durch exzessive Hustenanfälle abgehalten wurde (rip Statistik am Montag Nachmittag) und irgendwann zwischendurch hatte ich bestimmt auch mal meine Brain & Cognition-Zusammenfassung in der Hand. Nur so versuchsweise.

Ich bin in Anbetracht der Tatsache, dass ich die letzten Tage wirklich noch krank war und die komplette restliche Woche volle Arbeit bei "Arbeit für Klausuren aus dem Weg gehen" geleistet habe, doch ganz zufrieden - rückblickend betrachtet. Die nächsten Tage werden noch einmal lernintensiv, aber ja, ich war tatsächlich relativ beschäftigt. Des weiteren habe ich zusätzlich dazu Dienstag einen Public Speaking-Kurs begonnen und bin jetzt für die nächsten fünf Wochen ein Mal die Woche von (primär) Jura- und Politik-Studenten umzingelt.

So als Psychologie-Exot ist es aber besonders interessant, weil a) Perspektivwechsel immer sehr erfrischend sind, b) man nette Leute kennenlernt, die man sonst mit großer Wahrscheinlichkeit nicht kennengelernt hätte, und c) mein Plan zur Übernahme der Weltherrschaft wesentlich leichter umzusetzen ist, weil niemand den Underdog unter den Teilnehmern des Public Speaking Programs verdächtigt. Antonia - nur noch eine Verbesserung der Handgestikulationen (oder sollte ich besser sagen: der Handeskalationen, ich habe mich in der 11. Klasse mal bei wilden Gesten selbst im Gesicht gekratzt und wurde daraufhin über den kompletten Zeitraum von eineinhalb Stunden Latein von meiner Freundin Eve ausgelacht, die nur aufhörte, weil wir in unterschiedlichen Geschichtskursen waren) davon entfernt, die in den Niederlanden lebende Königin von Deutschland zu werden. Oder eine einsam in einer Waldhütte lebende Frau mit 20 Katzen, die permanent verrückt mit ihren Händen wedelt. Das ist noch nicht ganz raus. Ich halte euch auf dem Laufenden. Und verabschiede mich mit dem dieswöchigen Niederländisch für Anfänger-Beitrag.





Bevor ich den Post für diese Woche aber wirklich endgültig schließe, möchte sich die Mittwoch-Abend-Antonia auch noch mal ganz förmlich dafür entschuldigen, dass der Post einen Tag zu spät kommt. Ich war wirklich nicht faul, nur produktiv auf einer anderen Ebene (zumindest die letzten drei Tage über, davor wäre das eine dreiste Lüge). Ich werde nun ins Bett fallen, weil ich morgen sehr früh einen Zug nach Deutschland erwischen muss. Ostern!

Die Tagesbanner füge ich morgen auf meiner Heimfahrt ein, da ich die subtile Vermutung habe, dass ihr sonst rechtschreibliche Wochentags-Exoten wie "Motnag" und "Freitga" bestaunen könnt und mein Leben auch schon ohne die Entdeckung dessen morgen nach dem Aufstehen ironisch genug ist.

Liebst,
Antonia

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4/08/2017

WRITERS LIFE | Schreibkrisen oder: Ein bisschen wie Fahrradfahren, nur vollkommen anders


Schreibkrisen sind ein bisschen wie Fahrradfahren. Wenn das Fahrrad brennt. Und der Boden brennt. Und die Luft brennt. Und alles brennt. Und es überhaupt keinen Spaß macht. Also eigentlich sind Schreibkrisen nicht mal ein bisschen wie Fahrradfahren. Hölle. Schreibkrisen sind ein bisschen wie Hölle. Oder zumindest das, was ich mir während meinen sieben Jahren Religionsunterricht so darunter vorgestellt habe. (Bezogen auf das Feuer, nicht das Fahrrad. Aber wer weiß, vielleicht gibt es die Hölle und sie ist eine niemals endende Tour - oder sollte ich besser sagen Tortour, pun intended - auf einem Hometrainer?)

Schreibkrisen und ich gehen rein bekanntschaftlich schon eine Weile zurück. Die letzte große Flaute ereignete sich von März bis August 2016, aber alles auf Anfang...


Sommer 2016, Manuskript No. 3


Der August 2016 war schon fast vorüber und ich stand kurz vor meinem Studienbeginn. Nach dem Abitur hatten sich viele Sachen verändert und irgendwann zwischen dem fünfwöchigen Sprachkurs und der Einführungswoche hatte ich mir etwas eingestanden, das ich schon lang im Hinterkopf gehabt hatte. Es passt irgendwie nicht. Die Geschichte, die ich seit Jahren im Kopf habe und entwickle, an der ich feile und in der ich mich verliere, hat sich erneut in eine Sackgasse geschrieben und ich stehe da, wieder mit 70 Seiten Skript auf dem Laptop, nachdem ich bereits eine frühere (beendete Version) von 400 Seiten verworfen hatte. Es passt einfach nicht. Ich habe beinahe 500 Seiten dieser Geschichte geschrieben. Und es passt nicht. Oder um es in den klangvollen Worten der englischen Sprache zu sagen: Fuck my life. Aber hilft ja alles nichts. Auf ein Neues.

Der Anfang einer Geschichte - wenn ich in all der Zeit, die ich bereits schreibe, eine Sache gelernt habe - ist übrigens ein richtiges Biest. Ich kann gar nicht zählen, wie viele Prolog-Dokumente in meinen Entwurf-Ordnern herumgeistern und wie oft ich frustriert nachts auf der Dachterrasse gesessen und mein Leben hinterfragt habe, weil ich partout nicht wusste, wie ich etwas beginnen sollte, das in meinem Kopf eigentlich schon so fertig war. So ereignete es sich dann, dass ich nach einem weiteren frustrierenden Abend ("Prolog scheiße, Manuskript scheiße, Haare auch scheiße, alles scheiße.") kurzerhand mein Dokument zuklappte, YouTube öffnete, Haarschneidetutorials heraussuchte, mir beherzt eine Papierschere nahm und - frei nach dem Motto "wenigstens das nicht mehr scheiße" - meine Haare abschnitt. Ja, so werden im Hause Leise seit jäher Probleme gelöst. Mit impulsiven Frisur-Entscheidungen.

Zwei Tage später - immer noch über alles deprimiert wegen meinem einfach nicht beginnen wollenden ersten Kapitel - nahm ich dann also statt meiner Schere (ich empfehle übrigens kein Haarschneiden mit einer Papierschere, einfach nein) meinen Bleistift, einen leeren Block und schrieb. Und einfach aus Prinzip ließ ich meinen Hauptcharakter zu Beginn des 1. Kapitels seinen Schreibtisch abfackeln. Das ist nun, über ein halbes Jahr später, die Kurzfassung des Beginns meines ersten Kapitels und letztendlich der Beginn der Geschichte, an der ich momentan arbeite.


Krisenpfeiler


Was habe ich also aus meinen desaströs schreib-unproduktiven ersten zwei Monaten in den Niederlanden gelernt? Erstens: Kurze Haare stehen mir zum Glück wesentlich besser als lange. Und zweitens: Der Weg aus der Schreibkrise baut auf drei Worten: Durchhaltevermögen, Perspektivwechsel und Routine. Es gibt wirklich keinen Königsweg beim Überwinden von Motivationsflauten jedweder Art, aber meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass es zumindest grob auf diesen drei Säulen fußt.

Durchhaltevermögen
Es ist durchaus logisch, dass sich Dinge eben nur lösen oder verbessern lassen, wenn man sich richtig an ihnen festbeißt. Wer nach den ersten zwei Fehlschlägen - bei egal welchen Aufgaben - gleich das Handtuch wirft, wird niemals an seinem Ziel ankommen. Das Leben besteht aus Scheitern und Weitermachen. Man kann es natürlich auch mit den Worten von Winston Churchill sagen: »Erfolg haben heißt, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.« - und was liegt näher, als bei einem Beitrag über Schreibkrisen einen Literaturnobelpreisträger zu zitieren?

Perspektivwechsel
An dieser Stelle wird es jetzt ein bisschen knifflig. Denn manchmal ist das Problem das zu fest festbeißen. Und hier kommt der Perspektivwechsel ins Spiel. Man kann diese Aspekte, wie bereits erwähnt, auf alle möglichen Lebenslagen beziehen, aber spezifisch fürs Schreiben heißt das: Plot fährt in eine Sackgasse? Vielleicht müssen einfach bestimmte Dinge an der Geschichte geändert werden. Schreiben auf dem Laptop hängt zum Halse raus und das gewohnte Klackern der Tastatur gibt dir Komplexe? Nimm einen Bleistift und weiter geht es per Hand. Oder per Schreibmaschine. Transzendentale Erfahrung, sag ich euch, der Utensilienwechsel.

Routine
Der berauschendste Schreibfluss bringt nichts, wenn er keine Regelmäßigkeit mit sich bringt. Ihr müsst euren eigenen Rhythmus finden - seien es nun zwei Seiten pro Tag als Ziel oder vier, eine Stunde Arbeit am Manuskript oder ein Kapitel in der Woche. Ihr braucht keinen NaNoWriMo, der euch ein Ziel vorgibt, und schon gar nicht müsst ihr euch an irgendein konkretes halten, das irgendwo im Internet oder in Schreibratgebern herumgeistert. Ihr müsst euren eigenen Rhythmus finden. Solltet ihr damit Probleme haben, dann diesbezüglich zurück zu Perspektivwechsel und wenn ihr an dem verzweifeln solltet, dann noch mal Durchhaltevermögen überfliegen.


Vier Ratschläge für ein Halleluja


Wie bereits oben erwähnt, gibt es keinen wirklichen Königsweg für die meisten Dinge im Leben. Vor allem nicht für die kreativen Auswüchse unter ihnen. Was mir Durchhaltevermögen, Energie, Kraft und Freude bei der Arbeit am Manuskript gibt, muss bei euch noch lange nicht die selben Effekte haben. Vielleicht schreibt ihr echt gut, wenn ihr dabei auf dem Kopf steht oder ihr braucht eine richtig gute Playlist bei Spotify - während andere schreibkrisengeplagte Leidensgenossen über die schriftstellerische auch noch eine persönliche Krise kriegen, sobald keine vollkommene Ruhe bei der Arbeit herrscht (zu diesen Exemplaren zähle ich übrigens meistens). 

Des weiteren ist das Thema rund um den Begriff "Schreibkrise" viel zu komplex, um es in so einem kleinen Writers-Life-Post abzuhaken. Ich werde also in Zukunft noch diverse ausführlichere Beiträge zu einzelnen Aspekten (Ideenfindung, richtige Plotplanung, Schreibumgebung, Schreibutensilien etc.) verfassen. Trotzdessen lasse ich - wo ich nun einmal dabei bin - ein paar Tipps da, die ich über die Jahre hinweg erhalten oder selbst für mich entdeckt habe und ziemlich gut finde. Ich bin kein Fan von ausformulierten Masterplänen bezüglich einer Schreibroutine. Wir sind hier schließlich nicht beim Militär. Und für mich persönlich sind strenge Regeln und Mantras immer sehr kontraproduktiv. Deshalb: Seht die folgenden Ratschläge als Inspirationsquelle, nicht als non-plus-ultra-next-generation-10-Gebote.

1. Schreibt, Kinder, schreibt!
Der schwarzhumorige Teil meiner Persönlichkeit kommentiert solche Überschriften in einem Ratgeber über Schreibkrisen erst mal grundsätzlich mit "Ja, no shit Sherlock." - aber das ist vielleicht der wichtigste Tipp, also hört gut zu.

Das Ziel, das jeder hat, der in einer Schreibkrise steckt, ist - logischerweise - das Schreiben. Aber Schreiben ist in diesem Falle nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg. Ihr wacht nicht einen Morgen auf und schreibt in einem Zug ein zweitausendseitiges Manifest, das jeden Literaturkritiker von den Socken haut. Vielleicht werdet ihr einen Morgen aufwachen ein zweitausendseitiges Manifest schreiben, das jeden Literaturkritiker von den Socken haut. Aber während ihr ein Mal die letzte Version dessen anfangen werdet, das einmal ein Buch wird, werdet ihr viele hundert Male davor aufgewacht sein und einen Schuss in den Ofen zu Papier bringen.




Ich kann gar nicht sagen, wie viele Prologe ich in meinem Leben geschrieben habe, die nie ein Anfang geworden sind. Ganz zu schweigen von tatsächlichen Manuskripten mit mehreren hundert Seiten, die sich ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr richtig angefühlt haben. Manchmal hat man diese eine große Geschichte zu erzählen und es fehlen schlicht und ergreifend die Worte. Und ihr schreibt und beginnt und versucht und es geht nirgendwo hin. Glaubt mir, ich kann euch ganz eigene Romane über frustende Schreibarbeit verfassen. Aber letztendlich waren diese Fehler alle auf ihre Art und Weise nötig.

Prolog- und Stilentwicklung funktioniert nicht mit einem Fingerschnipp und auf einer geraden Zeitlinie. Ihr wollt komplexe Charaktere? Eine verwobene Geschichte? Unglaubliche Plottwists? Monologe, die jeden zu Tränen rühren? Dialoge, bei denen der Leser förmlich an den Lippen der Akteure klebt? Dann braucht ihr Entwicklung - sowohl kreativ als auch handwerklich. Ihr dürft nur nicht aufhören, wenn ihr noch nicht da seid, wo ihr gern hin wollt. Meine Dialoge waren in der 7. Klasse, als ich das erste Mal an meinem Skript gearbeitet habe, auch alles andere als prickelnd. Und meine Charaktere und ihre Geschichten sind von damals bis heute auch wesentlich komplexer und ausgefeilter geworden. Das heißt nicht, dass ich schlecht geschrieben oder Geschichten entwickelt habe, sondern einfach, dass ich für bestimmte Geschichten erst noch bereit werden musste. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Nur weil ihr also einen Prolog beginnt und mit diesem noch nicht die richtigen Worte trefft, heißt das noch lange nicht, dass ihr nie die richtigen Worte treffen werdet. Ihr werdet irgendwann die letzte Version eures Projekts schreiben - geht dabei nur sicher, dass ihr aufhört, weil ihr fertig seid und nicht, weil ihr euch selbst fertig gemacht habt. Nehmt das Universum mit Humor, wenn es sich gegen euch verschworen hat. Und dann lasst es seine eigene Medizin schlucken und macht weiter.

2. Bekämpft das Labertaschen-Syndrom 
Dieser Punkt schließt inhaltlich gleich an den nächsten an, denn Weiterentwicklung ist eine Sache - sich in Plotplänen zu verrennen ist eine andere. Dieser Punkt ist vor allem für diejenigen unter euch wichtig, die schon länger an einer Geschichte arbeiten und dabei Gefahr laufen zu viel zu denken und zu wenig davon umzusetzen. Ich möchte mich hier in keiner Weise gegen gutdurchdachte Geschichten aussprechen. Nein, wirklich. Ich bin ein großer Fan von gutdurchdachten Geschichten, immer weiter damit. Aber nur weil ihr euch über die Geschmacksrichtung der Geburtstagstorte eures wichtigsten Nebencharakters zu seinem 7. Geburtstag noch nicht einhundertprozentig sicher seid, heißt das nicht, dass ihr nicht auch tatsächlich etwas schreiben könnt. Auch ohne dieses prekäre Detail.




Meine eigenen Schreibkrisen fußen primär auf diesem Punkt. Vor allem weil ich persönlich viel zu viel mit anderen schreibenden (oder nicht-schreibenden) Freunden über den Plot der Geschichte rede. Und wenn es etwas Schlimmeres gibt als Labertaschen-Syndrom in eurem Kopf bei der Plotplanung, dann ist es das Labertaschen-Syndrom über das Labertaschen-Syndrom in eurem Kopf bei der Plotplanung. Mir persönlich saugt es grundsätzlich jegliche Motivation aus den Knochen, wenn ich zwar die komplette Geschichte von Teil eins bis acht mit Freunden besprechen kann, de facto aber noch nichts zu Papier gebracht habe.

Ich möchte mit diesem Abschnitt wirklich nicht sagen, dass ihr euch nicht über eure Charaktere oder Geschichtsverläufe unterhalten könnt oder sollt. So was macht (zumindest mir) wahnsinnig viel Spaß und der Input von anderen Leuten kann euch ganz neue Perspektiven geben. Aber übertreibt es nicht, sonst wird es kontraproduktiv. Ihr könnt die ausgefeilteste Geschichte haben, wenn ihr aber irgendwann auf dem Sterbebett liegt und feststellt, dass ihr diese Geschichte niemals genutzt habt, sondern nur darüber geredet, dann bringt euch das wirklich nichts. Sich dessen bewusst zu werden - dieses "endlich machen und aufhören zu reden" - hat mir damals sehr geholfen wieder anzufangen.

3. Mach Schreiben zu einem Ritual
Dieser Punkt ist der einzige, den ich von diesen vier nicht selbst entdeckt habe, sondern für den ich entdeckt wurde - wenn man so will. Mein Bruder hatte die Idee und ich finde, dass dieser Punkt gerade in akuten Schreibflauten-Phasen einen guten Anstoß geben kann. Manchmal brauchen wir, um wieder aus einer Schreibkrise herauszukommen, vor allem eine Neuentdeckung des Gedankens daran, wie sehr wir Schreiben eigentlich lieben und genießen.

Es kann sehr frustrierend sein, an Stellen im Manuskript wieder und wieder zu scheitern. Das nimmt euch, gerade wenn ihr mit dem Gedanken spielt irgendwann zu veröffentlichen und damit auf einer "professionellen" Ebene vermeintlich scheitert, den Spaß. Man könnte auch sagen: Eure extrinsische Motivation (von anderen Anerkennung zu erfahren, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, Leuten etwas zu beweisen etc.) erdrückt euch, während eure intrinsische Motivation (etwas zu machen, weil ihr es gern macht und innerlich motiviert seid) flöten geht. Und hier kommt der Tipp ins Spiel.





Nein, um Schreiben zu einem Ritual zu machen muss man keinen Schrein bauen und zwei Mal die Woche eine Aubergine opfern. (Was wäre das auch bitte für eine Lebensmittelverschwendung?) Mit Schreiben als Ritual meine ich: Nehmt den Schreibblock, sucht euch ein schönes Café und macht euer nächstes Kapitel zu einem entspannten, wohltuenden Nachmittag. Versucht, Schreiben mit etwas Schönem zu verbinden und die Reise bis zum Ende eures Buches zu genießen.

Mir persönlich gibt es immer einen wahnsinnigen Kreativitäts-Kick, wenn ich die Geschichte mit Kaffee und Kuchen verbinde. Vielleicht reicht bei euch auch ein netter Abend am Schreibtisch Zuhause. Zündet eine Kerze an. Kauft Schokolade. Werft euch in Kuschelsocken. Entspannt euch. Es ist okay, einen professionellen Anspruch an euch selbst zu haben - aber ihr habt das Glück, dass das, was ihr vielleicht einmal zum Beruf machen wollt, auch wirklich Spaß macht. Lasst euch das nicht nehmen.

4. Lernt aus alten Fehlern
An diesem Punkt - zugegebener Weise - scheiden sich die Geister ein bisschen. Wenn man ihn praktisch übernimmt, könnte man sagen: "Hebt auf, was ihr geschrieben habt, auch wenn ihr es jetzt furchtbar findet." - werft keine Erinnerungen weg, auch wenn sie schlecht formuliert sind, sondern seht in einigen Jahren auf eure eigene Entwicklung oder findet in den frischen Ideen von damals sogar Inspiration für gegenwärtige Projekte.

Ich habe Freunde, die sich strikt gegen diesen Punkt wehren, aber selbst wenn ihr mit der praktischen Interpretation nichts anfangen könnt, finde ich die theoretische ziemlich universal hilfreich: Seid selbstreflektierend.




Wenn Autoren nicht dazu in der Lage sind, mit sich selbst ehrlich ins Gericht zu gehen, ist das Buch für die Tonne. Jede Geschichte reflektiert über irgendein Thema - manche banal, manche sehr tiefgründig. Und ohne diese Schlüsselfähigkeit wird gutes Schreiben an sich nichts. Ihr müsst keine Dystrophien oder keine Bücher über das Sterben oder psychische und physische Krankheiten schreiben, nur weil das gerade Mode ist. Ihr müsst über Dinge schreiben, die euch bewegen. Wenn diese Themen dann zufälligerweise gerade Mode sind, ist das toll. Wenn nicht, dann wird es eben von euch jetzt zu Mode gemacht. Wenn ihr aber nicht in der Lage seid, festzustellen, was das ist, worüber ihr schreiben müsst, dann könnt ihr eurem Leser auch nichts Weltbewegendes darüber erzählen.

Ich könnte stundenlang über Selbstreflexion reden, aber nebst der richtigen Geschichtenfindung und der Einsicht, dass ihr für manche Geschichten einfach nicht der richtige Autor seid, kann sie euch gerade bezüglich Schreibkrisen noch an einem ganz anderen Punkt helfen: Wenn ihr aus einer Schreibkrise herauskommen wollt, dann kann es sehr hilfreich sein, wenn ihr versteht, warum ihr überhaupt erst hereingekommen seid. Also nehmt euch eine Minute und horcht einfach mal bewusst in dieses Thema rein. Vielleicht findet ihr den Grund für eure Blockade und - darüberhinaus - auch einen Lösungsansatz.






Das war er also, mein Beitrag zum Thema Schreibkrisen. Ich hoffe, er hat euch geholfen und gefallen. Kommentare mit ergänzenden Tipps, Tricks, Meinungen und Erfahrungsberichten sind immer gern gesehen. Ich verabschiede mich an dieser Stelle nun von euch und mache mich fertig, denn für mich geht es heute nach Amsterdam. (Spontanentscheidung von gestern Abend.) (Schon ist die Erkältung etwas eingedämmt, tanzen die Mäuse wieder auf dem Tisch sozusagen.)

Alles Liebe,
Antonia
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4/04/2017

NIEDERLÄNDISCH FÜR ANFÄNGER No.16 | Kaninchenloch-Grenzgänger





Kaninchenloch-Grenzgänger  
(kaˈniːnçənlɔχ ˈɡʀɛnʦˌɡɛŋɐ ; Ka|nin|chen|loch-Grenz|gän|ger)

— Bezeichnung für ein zwischen ihren natürlichen Habitaten pendelndes Antonia, in diesem Falle auf mehreren Ebenen:
(1) pendelnd zwischen Deutschland und den Niederlanden (besondere Betonung auf Grenzgänger)
(2) pendelnd zwischen der realen und virtuellen Welt, auch: zurückkehrend von langer Blogpause auf den Blog, vgl.: Alice im Wunderland, die durch das Kaninchenloch fällt (besondere Betonung auf Kaninchenloch)




Sonntag, 02-04-2017 | Bahnhoflangstreckenlauf

Niemand macht ja bekanntlich so gute Scherze wie die deutsche Bahn. Auf dem Frankfurter Fernbahnhof von Gleis 7 (mitten auf Bahnhof) zu Gleis 3 (Regionalbahnhof) ändern, gut sieben Minuten vor Abfahrt und dabei kryptische Gleisangaben durch die Lautsprecher nuscheln. Genau mein Humor. Nun befinde ich mich tatsächlich im ICE International Richtung Utrecht, zwar im falschen Abteil, aber auch egal. Ich schlürfe meinen überteuerten Bahn-Kaffee (3€ - ist das zu glauben?) und habe exzellenten Ausblick auf einen Pfosten. Dahinter sind aber bestimmt Tunnel und Wiesen. Ihr habt eine Vorstellung.

Gestern bin ich nun zurückgekehrt in den den heiligen Kreis des Literaturblogger-Tums und ich will ehrlich sein: Die offizielle Definition für "Muffensausen" ist ab sofort ein Bild von mir vor meinem Blogger-Dashbord. Ich war über vier Monate w wie weg und bin gespannt, wie die Rückkehr zum Bloggen so gelingt. Ab jetzt heißt es wieder Beiträge verfassen, Bildbearbeitungsprogramme anschreien und - hoffentlich - fleißig Kommentare beantworten. Letzteres werde ich nun auch tun, einige Kommentare sind bereits unter dem letzten Beitrag eingetrudelt und ich habe mich sehr darüber gefreut. Und dann süffle ich weiter meinen Kaffe und markiere brav Seiten in meinem Entwicklungspsychologie-Buch. Versprochen.

Montag, 03-04-2017 | Bettlägerig

Krank sein war ja nun wirklich nicht nötig. Den ganzen Tag vegetiere ich jetzt schon mit Netflix (Gossip Girl, 5. Staffel) und WhatsApp ausgestattet vom Bett ins Bad und wieder zurück und checke diverse Social Media-Seiten noch wesentlich obsessiver als sonst schon. Meine Ernährung bestand heute aus aufgeweichten Cornflakes, weil ich die mit meinen Halsschmerzen schlucken kann, viel Wasser, Tee und Medizin. Erkenntnis des Tages: Stundenlange Zugfahrten und Rumhängen auf zugigen Bahnhöfen macht Halsschmerzen nicht unbedingt besser.

Meine Statistik-Workgroup fiel deshalb heute erst mal ins Wasser, morgen muss ich mich dann aber definitiv irgendwie zur Uni schleppen, da ich ein transkribiertes Interview (hört sich genauso lustig an, wie es war) einliefern muss. Und da ich - wie ich heute erfahren habe - ein Fotoshooting (hört sich wesentlich spektakulärer an, als es eigentlich ist) für den Uniblog habe. Bildung und Presse rufen, sozusagen. Und mein Zimmer braucht auch ganz dringend eine ordentliche Aufräumaktion. Es hilft also alles nichts, ich muss mich mit Umkaloabo (gutes Mittel bei Erkältung übrigens) sedieren und zur Tat schreiten.

Zu meiner Verteidigung: Ich habe tatsächlich bereits etwas für Brain & Cognition gelernt. Und das trotz Krankheit. Not all heroes wear capes, Leute. Und während ich mich frage, ob bezahlte Blogger, wenn sie krank sind, theoretisch Affiliate-Links für Medikamente einfügen oder zumindest schon mal drüber nachgedacht haben und generell, ob man Umkaloabo überhaupt bei Amazon kaufen kann (wahrscheinlich nicht), beende ich das heutige Tagesupdate und wälze mich mit quälenden Lauten aus dem Bett.

Dienstag, 04-04-2017 | Biblife

Ausgestattet mit meinem halben Arzneischrank (Dem Inhalt, nicht wirklich dem Schrank. Es gibt keinen Schrank. #Lügenpresse #AllesNurErlogen) und diversen Büchern, Manuals und dem Laptop sitze ich nun also in der Bibliothek der Sozialwissenschaften. In der Prüfungsphase quillt bei uns die Hauptbibliothek immer über, deshalb habe ich mich direkt in meine Fakultät geflüchtet. Meine Stimme ist jetzt vollkommen hinüber, Umkaloabo hin, Umkaloabo her. Und ich hatte weiß Gott wirklich schon mal mehr Elan. Wer hat sich überhaupt so einen Mist wie Erkältungen ausgedacht? Einzig positiv: Als der Fotograf heute nur Niederländisch gesprochen hat, war meine nicht mehr vorhandene Stimme meine offizielle Entschuldigung dafür, dass ich nur so geistreiche Brocken wie: "Leuk" (gut), "oké" und "dat klapt" (das passt) eingeworfen habe und alles weitere Reden meiner Blogpartnerin überlassen habe.

Gerade drücke ich mich jedenfalls erfolgreich vor einem Paper-Review, weil Niederländisch für Anfänger will ja auch fertig geschrieben und überarbeitet werden. Trotzdem, shame on me. Sobald ich den Beitrag hier in die freie Wildbahn entlassen habe, wird sich aber wirklich dran gesetzt. Ich zähle jetzt schon die Pflicht-Workgroups bis zum Wochenende rückwärts, weil ich momentan partout nicht reden kann. Und wer mich Labertasche kennt, versteht im Ansatz die Dramatik die hinter dem Satz "Antonia kann nicht viel reden." steckt.



In diesem Sinne verabschiede ich mich mit dem (diese Woche verkürzten) Wochenrückblick von euch, winke (metaphorisch; so weit kommt es noch, dass ich meine Posterstellungs-Oberfläche bei Blogspot anwinke) und hoffe, euch gefällt das neue Niederländisch für Anfänger-Konzept.

Liebst,
Antonia

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4/01/2017

SIE IST WIEDER DA | Rückkehr aus der Blogger-Pause

Hallo meine Lieben!

Ja, es handelt sich bei diesem Post um keinen April-Scherz. Wie Phönix aus der Asche oder eben wie Antonia aus einem Haufen Pizza-Kartons und Studienbüchern verkünde ich hiermit feierlich (und frage mich ernsthaft, ob Vergleiche mit mir selbst überhaupt den Sinn eines Vergleiches erfüllen): Ich bin wieder zurück. Zum ersten April und auch für den Rest des Monats. Und des Jahres. Und hoffentlich für immer.

Über ein viertel Jahr war ich weg, natürlich ist in dieser Zeit eine Menge passiert, aber ich will nicht mit Details langweilen. (Meine stalkenden Freunde haben meine Handynummer oder waren hautnah dabei, der Rest kann brennende Fragen wie: "Wie oft hast du wegen New York Times-Eilmeldungen zu Donald Trump geweint?" oder "Was benutzt du momentan für Shampoo?" in die Kommentar-Abteilung stellen.) (Die Antworten auf die Fragen sind übrigens: 1. kein einziges Mal, ich bin momentan politisch innerlich tot und 2. Daddy Oh von Lush, wird aber gerade alle, deshalb ab demnächst Jason and the Argan Oil, ebenfalls von Lush - weil Shampoos von anderen Marken mir grundsätzlich Ausschlag im Gesicht geben und das ist sehr unangenehm.) (Davon abgesehen, wieso stellt hier überhaupt jemand hypothetische Fragen über mein Shampoo? Reißt euch zusammen. Hypothetisch.)

Mein ursprünglicher Plan war, bereits Anfang Februar wieder zurück zu kommen, daraus haben persönliche Gründe dann Anfang März gemacht und die Uni schließlich Anfang April. Aber dieses Mal, nach langem Über-, Quer- und Durch-die-Wand-Denken der letzten Monate, bin ich tatsächlich wieder am Start und sehr gespannt, was die künftigen Blog-Monate so bringen werden.

Es tut mir leid, dass ich mich während meiner Aktion und auch sonst so mir nichts dir nichts einfach vom Blogger-Leben für die letzten Monate verabschiedet habe. Ich habe es damals schon gesagt und fühle mich in der Pflicht es ein weiteres Mal zu wiederholen: Es war keine leichte Entscheidung, aber zu diesem Zeitpunkt die Richtige. Bin ich momentan wieder vollkommen auf dem Posten? Nein, nicht wirklich. Aber ich bin langsam aber sicher wieder auf dem Weg dahin, was ich in den letzten Monaten nicht gerade behaupten konnte, weshalb es auch gedauert hat. Ich finde meinen Humor gerade wieder und das Ziel ist ja der Weg und der Weg der ganze Spaß und Spaß ist mein zweiter Vorname. Und so, zusammengefasst, bin ich nun wieder hier und da und in diesem Falle nun schriftlich auch wieder auf diesem Stückchen Internet.

Damit ich euch nun aber nicht vollkommen ohne Informationen über meine viermonatige Abwesenheit allein lasse, eine kleine Zusammenfassung von Fragen, die man sich vielleicht so stellt, wenn jemand von einer viermonatigen Abwesenheit zurückkehrt:



Q. Was hast du in der Zeit von November bis jetzt getrieben?
A. Uniprüfungen geschrieben (und bis auf eine auch alle bestanden), einen Fechtkurs begonnen, angefangen Französisch zu lernen, Netflix abonniert, Die ZEIT abonniert, exzessiv zu Queen-Liedern durch mein Zimmer getanzt, Gilmore Girls fertig geschaut, Gossip Girl angefangen, zu viel am Handy gehangen, gelesen, geatmet und im Elend meiner eigenen endlichen Existenz gebadet. Das Übliche also.

Q. Was wird in der Zeit von jetzt an auf dem Blog getrieben?
A. Mein Ziel ist es, mindestens ein Mal die Woche einen gut-durchdachten, wortwitzigen und ausgefeilten Beitrag zu veröffentlichen. Ob ich an Aktionen wie der Montagsfrage etc. teilnehme, habe ich noch nicht entschieden - das wird dann spontan. Ich möchte mich dabei auf Literatur (Rezensionen, aber auch weit-gefasstere Beiträge über Literatur), gesellschaftliche Themen (die eventuell auch an meinem Studienfach kratzen) und das Schreiben eichen. Über das Leben in den Niederlanden werde ich hinzukommend ein Mal die Woche ein "Niederländisch für Anfänger"-Update veröffentlichen - das bleibt wie gewohnt. Also pi Mal Daumen zwei Beiträge in der Woche sind mein Ziel.

Q. Wieso nur zwei Beiträge in der Woche?
A. Weil ich immer noch weit davon entfernt bin wieder auf dem Posten zu sein und es deshalb nicht übertreiben will, ein Vollzeit-Studium absolviere, ein Buch schreibe, an meiner Übernahme der Weltherrschaft arbeite und generell lieber auf Qualität als auf Quantität setze.

Q. Wo wir gerade vom Schreiben reden, hast du den NaNoWriMo beendet?
A. Nein, habe ich nicht. November war nicht der beste Monat meines Lebens.

Q. Willst du es nächstes Jahr noch einmal mit dem NaNoWriMo versuchen?
A. Ja, das möchte ich. Denn bekanntlich sind alle guten Dinge ja drei. Aber ich werde es nächstes Jahr wahrscheinlich nicht öffentlich hier dokumentieren, weil sich das für mich aus einem mir unerfindlichen Grund immer als sehr kontraproduktiv erweist. 

Q. Schreibst du momentan überhaupt?
A. Ja, immer noch am Buch, wenn ich in Stimmung bin auch Gedichte, ab und an etwas für Wettbewerbe, jetzt wieder für diesen Blog, generell bis zum Ende des Studienjahres für den Uniblog und wenn mich die Muse küsst, dann auch Leserbriefe an Zeitungen und sehr schicke Einkaufslisten.

Q. Was machst du jetzt gerade eigentlich?
A. Während dem Schreiben dieses Beitrages (am 21. März 2017): Verdrängen, dass ich morgen einen Vortrag in Development halten muss und meiner besten Freundin die Ohren wegen Hals- und Ohrenschmerzen voll heulen. Währenddem ihr den Beitrag lest (am 01. April 2017): Auf der Geburtstagsparty meiner Freundin Tabea Spaß haben hoffentlich.
(Update: Während des letzten Überarbeitens des Beitrags am 31.03.: erneut krank im Zug sitzen und hoffen, dass ich morgen wieder auf dem Damm bin und zu dem Geburtstag meiner Freundin gehen kann, außerdem hatte ich heute mit anderen Leuten im Zugabteil eine hitzige Stadt, Land, Fluss-Diskussion und wurde heute morgen von Blackboard beim Hochladen einer Uniaufgabe hart getrollt.)

Q. Gibt es noch etwas, das du in diesem Beitrag mit auf den Weg geben willst?
A. Ich liebe Katzen.



Soviel zu hypothetischen Fragen. Solltet ihr noch irgendwelche haben, dann könnt ihr die gern in die Kommentare schreiben. Oder in eine Flasche stecken, sie ins Meer werfen und hoffen, dass sie mich auf wundersame Weise irgendwie erreicht. Wer weiß, vielleicht werden sie am Waal-Strand angeschwemmt und ich habe eine echt gute Anekdote zu erzählen.

Bis dahin wünsche ich euch das Beste und setze mich jetzt wirklich an die letzten Vorbereitungen für den Vortrag morgen. 

Liebe Grüße,
Antonia

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11/24/2016

Bloggerpause und wie es mit den Classic Confessions weiter geht.

Hallo meine Lieben

Wer den Blog etwas regelmäßiger verfolgt, dem sollte aufgefallen sein, dass er seit gestern vor zwei Wochen sozusagen klinisch tot vor sich hin vegetiert. Und da ich momentan eine auf ein Gewinnspiel herauslaufende Aktion veranstalte, fühle ich mich jetzt zu einer Erklärung "genötigt" - wobei genötigt deshalb in Gänsefüßchen steht, weil es eigentlich ein ziemlich heftiges Verb ist und man Dinge ja auch nicht grundlos überdramatisierten muss. 

Die letzten zwei Monate waren nicht sonderlich einfach für mich und ich habe mich immer mehr von dem entfernt, für das ich diesen Blog eigentlich betreibe. Spaß, Wortwitz, ästhetisch wertvolle Gedankengrütze - wie man es auch nennen mag. Ich möchte die Sache wirklich, ich wiederhole mich, ich weiß, nicht überdramatisierten, deshalb haltet noch einen Moment zurück mit diversen Notfallmaßnahmen, obligatorischen Kuscheldecken und heißer Schokolade. Ein bisschen zu viel Stress und ein bisschen zu wenig Spaß an Dingen, die - wie dieser Blog - aus meinem Spaß herauswachsen und ohne ihn einfach nicht gut werden. Das ist, zusammengefasst, was los ist.

Ich bin momentan relativ aktiv auf Twitter und Instagram und da natürlich spontan sassy und ausgestattet mit Flachwitzen und Lebensweisheiten wie immer, aber für schreibens- und lesenswerte Fließtexte, die diesem Blog würdig wären, reicht es momentan einfach nicht. Ich will nicht zwei bis vier Mal die Woche so tun, als hätte ich Spaß und gute Laune am laufenden Band, ich will aber auch nicht zwei bis vier Mal die Woche über die Unerträglichkeit des Daseins sinnieren. Und worauf es dazwischen hinauslaufen würde, wären irgendwelche inhaltslosen Faktentexte. Und das will ich am allerwenigsten.

Ich habe lange schlaflose Nächte geschoben und (gefühlt) keinen Teil meines Freundes- und Familienkreises mit Meinungsbefragung ausgelassen und meine Lieblingsmenschen und ich sind letztendlich kollektiv bei der Idee "Bloggerpause" gelandet. Ich bin es mir selbst und auch den Leuten, die sich ab und an auf dieses Stückchen Internet verirren, schuldig, nicht zu bullshitten bis zum Jüngsten Gericht, sondern eine Denk- und Schreibpause einzulegen, wenn es nötig ist. Und deshalb werde ich genau das tun. Ich weiß momentan selbst noch nicht, bis wann genau diese Pause andauern wird und will auch noch nicht irgendetwas versprechen, was ich nicht halten kann. Lasst euch überraschen, wenn ich mit einem "Surprise, bitches" zurückkomme und ergötzt euch in der Zwischenzeit an den Beiträgen September rückwärts.

Bevor ich jetzt allerdings für eine Weile aus der Bloggerwelt verschwinde, möchte und muss ich noch zwei Dinge klären:

1.) Die Classic Confessions-Aktion und das damit verbundene Gewinnspiel sind natürlich nicht nichtig. Ich beende die Aktion an dieser Stelle und lose den Gewinner aus den bisherigen Teilnehmern aus. Das Buchpaket wird Ende Dezember versandt, wenn ich wieder in Deutschland bin. Dieser Glückspilz darf sich also auf ein verspätetes Weihnachtsgeschenk freuen:

Let 'em eat books

Ich bin sehr dankbar für die rege Teilnahme an meiner ersten Aktion und habe mich sehr über jeden einzelnen Beitrag von jedem einzelnen Teilnehmer gefreut. Und das sind für mich keine leeren Worte. Ich meine das ehrlich und aufrichtig, ich hatte viel Spaß mit euren Beiträgen und ich hoffe, ihr hattet auch welchen mit der Aktion.

Es wäre schön, wenn die Gewinnerin eine E-Mail dalassen könnte, ansonsten werde ich Sherlock Holmes-artig die Kontaktaufnahme starten und wenn alles schief geht, noch mal neu auslosen.


2.) Bevor ich mich so mir nichts, dir nichts davonstehle, noch ein paar kurze Worte für all die anderen Leser, Bloggerfreunde, fleißigen Kommentatoren, Booknerds und Lieblingsabonnenten: Es gibt für mich nichts Besseres als Menschen, die ich mit meinen skurrilen Texten zum Schmunzeln, Lachen oder einfach Bessere-Laune-Haben bringen kann. Und dass ich nach zweieinhalb Jahren Blogchaos in Kommentaren mehrfach die Bestätigung bekommen habe, dass ich das irgendwie auf die Reihe bekommen habe, ehrt und rührt mich sehr. 

Ich habe keinen großen Blog, keinen extrem viel besuchten Blog, aber ich habe einen Blog, der anderen Leuten Freude bereitet hat und in der Zukunft sicher noch bereiten wird. Etwas Besseres kann ich mir nicht vorstellen. Ich kann nicht zählen, wie oft ihr durch eure positive Resonanz meinen Tag besser gemacht habt. Und ich hätte, und das ist keine Lüge, mit so tollen Kommentaren nie gerechnet, als ich diesen Blog begonnen habe. 

Die Entscheidung, diesen Blog offiziell zu pausieren, fällt mir sehr schwer. Und das ist nicht einfach lapidar dahingesagt. Es fällt mir wirklich Mit-den-Tränen-kämpfend schwer, denn diese Seite bedeutet mir sehr viel und ich fühle mich gerade furchtbar. Aber eben weil ich mich nicht nur gerade furchtbar fühle, sondern generell und das kein Zustand ist, den ich so hinnehmen möchte, winke ich ein Mal freundlich, gehe in den Urlaub und komme erst wieder, wenn ich den Witz und die Leichtigkeit im Schreiben an den Tag legen kann, die mir momentan fehlt.


Und wer an dieser Stelle nun heiße Schokolade und eine Kuscheldecke vorbeiwerfen will, darf das übrigens gern tun. Bin jetzt bereit dafür.

Auf ein baldiges Wiedersehen,
Antonia

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11/09/2016

[Classic Confessions - No. 23] "Alles für die Ästhetik: Was ist dein Lieblingscover eines Klassikers?" (mit Bild)



Nach dieser turbulenten (und auf diversen menschlichen Ebenen enttäuschenden) Wahlnacht, fällt mir nicht groß etwas ein, was ich noch sagen könnte. Ich gehe noch einmal mit den Worten, die den Abschluss für meinen Wahlnachts-Post gebildet haben: Bekommt den Hintern hoch. Amerika hin, Amerika her, was passiert ist, ist nun mal passiert. Was zählt, sind die Wahlen, die noch vor uns liegen. Und ich möchte daran erinnern, dass die gar nicht so weit entfernt sind. Und Populismus momentan kein rein amerikanisches Phänomen ist. Also. Weniger Hass, weniger Angst, weniger Perspektivlosigkeit für die Welt - wenn ich mir heute eine Sache wünschen könnte, dann wäre es das. Demokratie verliert im Moment ziemlich den Glanz, woran das liegt, das wäre noch mal einen eigenen Post wert, deshalb muss jeder für dich dagegen wirken. Mit Bildung, mit Offenheit und mit einer Stimme. Wir haben es in der Hand, in naher Zukunft. Lasst uns das Trauerspiel nicht wiederholen.


Alles für die Ästhetik: Was ist dein Lieblingscover eines Klassikers? (mit Bild)


Der erste Schritt aus dem Polit-Loch hinaus geht ja bekannter Weise nach vorn und deshalb tue ich genau das: Die Classic Confessions stehen heute mal ganz im Sinne der ästhetischen Klassiker-Cover. Was ist so das Schönste, das ihr zu bieten habt? Ob bei euch Zuhause im Regal oder noch auf der Wunschliste. Diese Woche werden die schönsten Cover gesucht.

Mein persönliches Lieblingscover ist die unten folgende Ausgabe von Pride and Prejudice von Jane Austen. Die ganze Reihe mit diesen Klassikern ist so unheimlich schön gestaltet und ich würde sie richtig gern einfach alle haben. Nicht, dass ich nicht genug Lesestoff hätte, aber Gott, die sind so schöööön.

Nun kann man sich natürlich fragen: Hey, wieso jetzt eigentlich Klassiker-Cover? Was ist an Klassiker-Covern eigentlich so besonders, Antonia, dass sie eine eigene Frage verdienen? Nun, Kinder, ich habe zu Klassiker-Covern eine Theorie und ihr gelangt nun in die fragwürdig ehrenhafte Position, von dieser zu erfahren: Weil Klassiker eigentlich grundsätzlich gefühlt hundert Mal mit einem neuen Vor- und Nachwort oder einer neuen Übersetzung oder einfach nur aus Spaß neu aufgelegt werden, gibt es von ihnen relativ viele Klassiker-Varianten. Und meist sind da echte Schmuckstücke dabei. Die meisten Bücher bekommen eine Chance auf ein schickes Cover. Klassiker bekommen eine ganze Reihe. Und deshalb sind die schönsten Cover - das ist meine Theorie - meist die Klassiker-Cover, was sie zu etwas ganz besonderem macht, weshalb sie eine eigene Frage bekommen haben. So. Jetzt ist aber gut mit der Erklärerei. Ich bin erschöpft, weil ich eine lange Nacht, unruhigen Schlaf und einen ziemlich bescheidenen Morgen hatte. Und ich muss noch was für die Uni machen. Lesen und so einen Kram. 

Ich freue mich schon sehr auf eure Cover!

Liebst,
Antonia


Über die Aktion


Die Aktion geht ein Jahr lang (bzw. 53 Wochen) und für jede Frage, die ihr mit einem eigen Post beantwortet und unter dem Ursprungspost auf meinem Blog verlinkt, wandert euer Name ein Mal in den Lostopf. Am Ende der 53 Wochen könnt ihr also 53 Mal in meinem Lostopf sein (oder 12 Mal, wenn ihr nur 12 Fragen beantwortet habt etc. pp.) und habt eine Chance darauf, im Juni 2017 ein fettes Bücherpaket zu gewinnen. Und mit fett meine ich fett. Lasst euch überraschen - aber seid sicher, dass für jeden etwas dabei ist.

- jeden Mittwoch poste ich eine Classic-Confessions-Frage
- diese müsst ihr in einem eigenen Post beantworten und meinen Blog darin verlinken
- dann müsst ihr die URL als Link unter meinem Post teilen
- fertig, euer Name ist in den Lostopf gewandert!

Ihr habt bis zum folgenden Dienstag 23:59 Uhr Zeit, die wöchentliche Frage zu beantworten. Danach seid ihr natürlich immer noch gern dazu eingeladen, könnt aber nicht mehr verlinken und werdet nicht mehr gezählt.

Solltet ihr mal eine Woche ausgesetzt haben, ist das nicht schlimm. Ihr wandert so oft in den Lostopf, wie ihr teilgenommen habt - durch regelmäßiges Teilnehmen erhöht sich lediglich eure Chance auf den Gewinn.

Das Banner darf natürlich gern kopiert werden :)


Die komplette Vorstellung findet ihr hier und weitere Fragen beantworte ich natürlich gern in den Kommentaren.


Die Teilnehmer


a.k.a. Awesome Classic-Squad
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11/08/2016

[Presidential Election 2016] HURRA, DIE WELT GEHT UNTER! — Lese-Laber-Nacht

Hallo meine Lieben!

Dieser Post kommt heute anstelle des normalen Niederländisch für Anfänger-Posts. Es handelt sich um einen Updatepost. Zu kurze Sätze. Abgehackt. Ernest Hemingway. Der alte Mann und das Meer. Sorry, ich habe Der alte Mann und das Meer noch gar nicht gelesen (genau wie alles andere von Ernest Hemingway), aber ich glaube mich zu erinnern, dass er auch so typisch "abgehackt-kurz" geschrieben hat und deshalb muss ich daran immer denken, wenn ich mal aus meiner Wohlfühl-Schachtelsatz-Zone rauskomme und kurze Sätze schreibe. Aber das nur am Rande. Es geht nämlich eigentlich nicht um meinen Schreibstil, bei dem einem sogar beim Leise-Lesen manchmal die Puste ausgehen kann, sondern um das Ereignis, auf das irgendwie momentan die ganze Welt schaut. So auch ich. Die Presidential Election 2016. Heute wurde/wird immer noch gewählt und in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch trudeln dann die Ergebnisse langsam aber sicher ein, bis wir dann den nächsten Präsidenten schwarz auf weiß haben. Hilary Clinton oder Donald Trump. Darauf wird es hinauslaufen. Und da dieser Ausgang und seine Folgen für mich momentan spannender als jeder Krimi sind und Jan Böhmermann im Livestream mit seinem Team streamt, habe ich mich gestern spontan dazu entschieden, mich ebenfalls mit Knabbereien und Getränken auszustatten, den Stream zu schauen und der Welt dabei zuzusehen, wie sie langsam aber sicher unter geht. Herrlich.

Ich werde über diesen Post regelmäßig Updates posten, während ich parallel das Buch, das ich momentan lese ("Seven Elements that changed the world" von John Browne), anstarre und mein Gehirn die Buchstaben und Laute zu einer sinnvollen Reihenfolge mit Inhalt prozessiert (a.k.a. lesen) und schreibe ein bisschen für den NaNoWriMo (aktueller Stand übrigens, ich weiß, das Update ist untergegangen zwischen meiner fleißigen Uni-Arbeit am Wochenende: 3530 von 5000 vorgenommenen. Ausbaufähig, aber wir wollen nicht meckern.) 

Wer Lust hat, kann mir gern in den Kommentaren seine Meinung mitteilen oder einen eigenen Post erstellen. So als Weltuntergangs-Alles-Ist-Scheiße-Lesenacht. Ansonsten hänge ich hier dann einfach rum, hoffe, dass die wandelnde rassistisch-sexistische Orange nicht Präsident wird und versuche, wenn doch, mit Multivitaminsaft betrunken zu werden. Man liest sich!

Alles wird gut.
Antonia


20:49, 08-11-16


Der Jan-Böhmermann-Stream startet um 23:00 Uhr, ich muss noch den Multivitaminsaft, der bisher in meinem Kühlschrank kalt steht, ins Zimmer manövrieren (dieses Verb ist übrigens mehr als angepasst, meine Treppe ist tödlich, wortwörtlich, sie besitzt kein Geländer und ist sehr steil und man kann drei Meter ungebremst runter auf den Flur fallen, sehr unangenehm, ist mir ein Mal fast passiert, aber eben nur fast) (so viel zu kurzen Ernest-Hemingway-Sätzen) und überhaupt, ich versuche immer noch herauszufinden, ob Chips angebracht sind, oder ob ich auf die Minimöhren zurückgreife, die ich heute käuflich erworben habe. Gesund und so, ihr versteht. 

Bevor das hier alles richtig los geht, lohnt es vielleicht erst einmal meine Position in diesem Wahlkampf zu äußern (nicht, dass sie wirklich wichtig ist, aber der Vollständigkeit halber): Ich fand Bernie Sanders gut, gehe aber der fehlenden Alternativen wegen mit Hilary Clinton. Ich empfinde Donald Trump als wahnsinnig inkompetent und unreif und ich hoffe wirklich, dass er nicht gewählt wird. Bin mir aber genauso sicher, dass eine Wahl von Hilary Clinton einen Aufruhr hervorrufen wird. Das kann noch spannend werden in den nächsten Monaten.

Ich habe die Wahl, ihre Biegungen und Inhalte bisher primär über Artikel von großen Tageszeitungen verfolgt (in diesem Falle Die Frankfurter Allgemeine, Die ZEIT und die New York Times), aber ich bin weit entfernt davon ein Polit-Experte zu sein. Ich habe Videos gesehen, Interviews, Meinungen und eigentlich empfinde ich solche Wahlen als nicht besonders spannend. Nicht, weil ich nicht politisch interessiert, sondern weil ich einfach politisch müde von der Dummheit und Einfältigkeit mancher Bevölkerungsgruppen bin. Das war bezüglich des Brexit so, das ist momentan bezüglich der AfD-Zunahme so und jetzt ist es eben so in der Amerikanischen Präsidentschaftswahl. Ich vertrete gewisse humanistische Prinzipien und irgendwie gehen die momentan weltweit den Bach runter. Und an dieser Stelle müssen wir einfach mal miteinander reden.


21:55, 08-11-16


Lektüre für heute
Ich stimme mich jetzt in der guten, letzten Stunde vor dem Livestream mit ein paar Clips zur Election ein, präpariere meinen Lebensmittel-Vorrat, um die Nacht zu überstehen und nachdem diese politische Lesenacht nun auf allen Social Media-Fronten angekündigt ist, kann ich das Buch vorstellen, das ich mir heute zu Gemüte führen werde.

Dabei handelt es sich um "Seven Elements That Have Changed the World" von John Browne. Ein Buch, irgendwie ein bisschen chemisch, irgendwie ein bisschen geschichtlich und ja, auch ein bisschen gesellschaftskritisch, das mit dem großen Thema "Dinge, die die Welt verändern", das es sich so ein bisschen auf die Fahne geschrieben hat, durchaus in die heutige Nacht hineinpasst.



Egal wie diese Wahlnacht heute ausgeht: Sie wird verändern. Inwieweit, das lässt sich nicht abschätzen. Aber, soviel sollte mittlerweile mehr als offensichtlich sein, wir leben in zunehmend unruhigen Zeiten. Das zeigt sich sicherlich nicht erst mit der US-Wahl und schon gar nicht erst mit ihren Ergebnissen, die im Laufe des nächsten Tages eintrudeln werden, aber die US-Wahlen, die Tatsache, dass Donald Trump mit vermehrt rassistischen und sexistischen Äußerungen, überhaupt so weit gekommen ist, zeigt, wie tief wir im Sumpf der Unzufriedenheit sitzen und wie weit wir uns von der Normalität, der guten alten Mitte, entfernen. Ich weiß nicht, wie ihr das findet, aber ich bin persönlich überhaupt kein Freund von Extremen. Aus ihnen ist noch nie etwas wirklich Gutes erwachsen. Und es schockiert mich, dass wir wieder beginnen in sie zu rutschen. In Amerika, in Europa, überall.


23:19, 08-11-16


So, die Live-Schaltung mit Jan Böhmermann hat begonnen, ich bin mit Chips und Multivitaminsaft versorgt und habe mich mit diversen Clips auf die lange Wahlnacht eingestimmt. Bin schon mal sehr gespannt, wie lang es heute geht bis tatsächlich eine Entscheidung feststeht und wie müde ich dann morgen sein werde. Wenigstens nur eine Werkgruppe, durch die ich mich schleifen muss, bevor ich dann einen langen Mittagsschlaf machen werde. Zum Lesen und Schreiben bin ich bisher noch nicht gekommen, aber die Nacht ist ja auch noch jung.


0:25, 09-11-16


In alter Lesenacht-Manier bin ich momentan bisher zu allem gekommen, aber... nun ja... nicht zum lesen. Ich schaue immer noch den (relativ gut besuchten) Live-Stream von den Neo-Magazin-Leuten und versuche mich nebenbei ein bisschen mit Pinterest zu beruhigen, denn die Tatsache, dass Donald Trump tatsächlich Präsident werden könnte, kommt sehr nah und was daraufhin folgen könnte, macht mir schon ein bisschen Angst. Nun gut, man muss nicht gleich den Teufel an die Wand malen, aber rosige Zeiten sehen nun wirklich anders aus.


1:36, 09-11-16


Meine Fingernägel werden jetzt langsam immer kürzer, ist wirklich wie ein Krimi hier. Da die Ergebnisse sich aber momentan ziehen wie Gummi und ich morgen noch ein Outline für die Uni abgeben muss, versuche ich erst mal zwei, drei Stunden zu schlafen, damit ich dann ein bisschen ausgeruhter an die Arbeit gehen kann, während die Ergebnisse rein flattern. Ich versuche also wieder gegen 4 oder 5 aus dem Bett zu kullern und bin schon sehr gespannt, wie es dann aussieht.


17:14, 09-11-16


Ach du dickes Ei. Sagen wir es mal so. Ich habe nach der angekündigten Schlafpause gegen um 5, halb 6 noch mal nach den Ergebnissen geschaut und musste schockiert feststellen, dass da die Wahl im Prinzip schon gelaufen war. Ich bin nicht überrascht, aber schon sehr entsetzt. Donald Trump ist tatsächlich Präsident. 

Ich habe mich heute über den Tag verteilt schon mehr darüber aufgeregt, als gut für den Blutdruck ist. Und deshalb sage ich jetzt schlicht und ergreifend: Lassen wir es auf uns zukommen. Sitzen wir es aus. Hoffen wir auf das beste. Und kriegen wir den Hintern hoch. Nächstes Jahr ist in Deutschland Wahl und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir schwant Böses.

Lasst euch nicht von Hass leiten! Ich beende damit diese mehr Laber-als-Lesenacht.
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