10/06/2014

Rezension: "Zero to One" von Peter Thiel (mit Blake Masters)


"Von den sechs Männern, die PayPal gründeten, haben vier als Schüler Bomben gebastelt. Fünf waren erst 23 oder jünger. Vier waren im Ausland zur Welt gekommen. Drei stammten aus kommunistischen Ländern: Yu Pan aus China, Luke Nosek aus Polen und Max Levchin aus der sowjetischen Ukraine. In keinem dieser Länder gehörte Bombenbasteln zu den gängigen Hobbys von Jugendlichen." - Kapitel 14 


Heute ist mein erster Ferientag und pünktlich - wie sollte es auch anders sein? - bin ich seit gestern nur noch am Teetrinken und Dauerhusten. Was bin ich nicht eine vorbildliche Schülerin, die nur in den Ferien krank wird. Ganz toll. Und da geht meine "Antonia war seit Februar nicht mehr krank"-Prahlerei dann auch wieder hin. 
Aber immer positiv bleiben: Jetzt habe ich wenigstens einen begründeten Vorwand im Bett zu bleiben und mich in Büchern zu vergraben.

Aus diesem Grund habe ich auch gestern "Zero to One" von Peter Thiel fertiggelesen und - auch auf Gefahr hin, dass die meisten vorerst nichts mit einem Wirtschafts-Sachbuch anfangen können - werde ich das jetzt einfach mal rezensieren. Vielleicht treffe ich ja doch ein paar vergrabene Interessenbereiche bei einigen Lesern. Aber ich verspreche hoch und heilig, dass die nächste Rezension kein Sachbuch wird (ich muss sowieso erst mal schauen, was als nächstes gelesen wird - aber jedenfalls kein Sachbuch!).

Eigentlich war dieser Eintrag erst für den Dienstag geplant, aber ich kann mit der Montagsfrage von LiBROMANiE wenig bis gar nichts anfangen, weil ich selbst keine Hörbücher höre und deshalb auch keine Lieblingssprecher habe. Aber ich habe sowieso vor, damit anzufangen. Irgendwann die Tage oder Wochen mal. Werde mich also dieses Mal eher umschauen und mich dann Hörbuchtechnisch beraten lassen :D 

Aber nun zum Buch...

Der Autor 
Peter Thiel ist Leuten, die sich gern mit Wirtschaft beschäftigen, vor allem durch seine Arbeit bei PayPal und seine Facebook-Investition bekannt. Er gehört zu dem 6-köpfigen Gründerteam von PayPal (zusammen mit anderen Größen wie z.B. Elon Musk, mittlerweile der CEO von Tesla Motors, und Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim - das sind die drei Typen, die YouTube gegründet haben - nur um einige zu nennen). Thiel war des weiteren der erste Investor mit einem Darlehen von 500 000 US-$ bei Facebook, hat also auch hier ins richtige Unternehmen die richtige Summe zur richten Zeit investiert, um mittlerweile 7% von Facebook zu besitzen. Das ist - gelinde gesagt - ziemlich viel Schotter, zumal er bereits einige Millionen Facebook-Aktien verkauft und damit mehrere hundert Millionen Dollar an realem Geld gemacht hat. 


Mittlerweile unterstützt er wieder andere Start Up's, die, wenn man seine bisherige Erfolgsgeschichte diesbezüglich sieht, wert sind, im Auge behalten zu werden. Und was macht der Mann, wenn er nicht gerade Start Up's unterstützt? Er schreibt über sie. Und erklärt, warum's bei ihm eben klappt und bei anderen nicht. Denn darum geht es - grob gesagt - in dem Buch, was ich euch heute vorstellen will. 

Die Geschichte hinter der Geschichte
Wer aufmerksamer Leser meines Blogs ist, hat vielleicht an dem ein oder anderen Post schon zwischen den Zeilen (oder meinen Bibliotheks-Bücherausleihen) gelesen, dass ich einen gewissen Fable für Wirtschaft habe. Und das ich später auch mal in so eine Richtung gehen will. Studientechnisch und so weiter. Mit Betonung auf "und so weiter" denn das eigentlich wichtige nach dem Studium ist ja das "und so weiter". Wie auch immer, ich komme ab.
Glücklicherweise - obwohl das vielleicht auch eher etwas mit Absehbarkeit, als mit Glück zutun hatte - bin ich diesbezüglich nicht die einzige Person in meiner Familie: Bruder hat ein Start Up, Mutter ist vollkommen selbstständig und Vater baut sich das bald auf und neben dem verlorenen Interesse an Formel Eins, war für mich die Abschaltung von Bloomberg im Free-TV so ungefähr das großartigste Ereignis meiner Kindheit - versteht jeder, der lieber KiKa gucken will, wenn die Eltern den Fernseher blockieren. Ja, es gab Wirtschafts-feindlichere Zeiten in meinem Leben... Aber mittlerweile mache ich auch beim Planspiel Börse mit und tue mir Aktien-Charts und -Prognosen freiwillig ab... Tja, so wendet sich das Blatt (an Formel Eins kann ich aber außer "Rush" immer noch nichts finden). 
Mein lieber Bruder hat aber dieses Jahr mein Weihnachtsgeschenk schon vorgezogen und mir - ich habe wirklich nichts gewusst - das hiesig behandelte Buch geschenkt. Weil er eben ganz genau weiß, über was ich mich freue (letztes Jahr gab's ein "I love Tom Hiddleston. Get over it!"-T-Shirt. Solche Geschenke braucht Weihnachten... Oder zumindest braucht Antonia sie--- Antonia muss aufhören in der 3. Person von sich zu sprechen. Dann fühle ich mich immer wie eine Vorstufe zu Gollum. Und das wollen wir doch nicht...). 

Das Buch (außen, Randfakten)
Wer erinnert sich an meine "Ich will minimalistisches Cover-Design"-Gemecker von Alcatraz und die dunkle Bibliothek und den vorausgegangenen rezensierten Büchern? Ja, meine nicht vorhandenen Gebete wurden erhört: Ein Buchcover nach meinem Geschmack. 
Obwohl dieses Silber-glänzende längst vergessene Ticks in mir wieder aufwühlt: wenn man mit dem Finger über das Cover geht, bleibt eine Spur zurück, die das Licht anders spiegelt - das Cover sieht also immer dreckig, bzw. ungleichmäßig aus, egal, was man macht - also habe ich die ersten dreißig Minuten meines Buch-Besitzes damit verbracht, das irgendwie zu überwinden und hin und her zu streichen. Ohne Erfolg versteht sich. Bin ich die einzige, die so was fertig machen kann? Okay, fertig machen ist vielleicht übertrieben. Ich lag ja nicht heulend eingekullert in einer dunklen Ecke. Aber ein bisschen fertig macht mich so was. Wie auch immer... es soll ja auch normale Menschen geben und denen gefällt das Cover sicherlich auch super (mir auch, bis auf dieses Streich-Ding). 
Der Preis ist schon ein bisschen heftiger: 22,99 € für ein Buch sind schon echt viel (die letzten Harry Potter-Teile lassen grüßen, der letzte Teil hat da 24,90 € gekostet - da HP aber so was, wie eine Droge ist, von der man nach ein Mal probieren nicht mehr loskommt, ist das aber auch Frau Rowlings gutes Recht.). Wenn man sich also für so viel Geld (aber auch hier verweise ich auf meine Argumentation bei Silber - das zweite Buch der Träume: Wir geben so viel Geld für sinnlosen Kram aus, Bücher gehören da nicht dazu - also warum gerade da knausrig sein?!) ein Buch kauft, sollte es sich auch wirklich lohnen. Entweder durch Interesse, eine großartige Hilfestellung bei einem Problem, das man gerade angehen will oder eine wirklich, wirklich gute Schreibweise (siehe Harry Potter). Das Buch hat alles: Für Interessenten in diesem Gebiet und Start Upper (ich habe keine Ahnung, wie man die Leute nennt, die Start Up's betreiben - wahrscheinlich einfach Gründer oder so) ein absolutes Muss. Aber dazu später mehr. Jetzt geht's erst einmal zum Inhalt.

Ich habe aber noch ein Manko zu verzeichnen: In meinem Buch wurde so ein Zettel namens "In diesem Buch sind Druckfehler - viel Spaß beim selbst zurechtsuchen mit dämlichen Seitenangaben" - natürlich können Druckfehler immer passieren und ja, es ist auch gut, dass dann wenigstens ein Zettel beigelegt wird, wo die Korrekturen drauf stehen. Aber ernsthaft: 23€ für ein Buch und dann muss ich insgesamt 8 Druckfehler beachten, die im Kontext gar nicht auffallen, aber teilweise auch den Inhalt ziemlich verändern? Beim nächsten Mal vielleicht besser aufpassen. Für so ein nicht gerade preiswertes Buch sollte man schon noch mal durchschauen.

Das Buch (innen)
Das Buch dreht sich primär um Innovationen und Start Up's. Grob gesagt: Es geht um Wirtschaft. Eine gesunde Mischung aus VWL und BWL, kleine Ausflüge in Politik, Geschichte und Philosophie lockern gut auf. Wer also an sich kein vollkommen überzeugter Wirtschafts-Heini ist, dessen Knie bei diversen Apple-Werbespots weich werden und der Tesla nicht nur durch die eine Folge von Suits kennt, wo Harvey ein Auto von Tesla ausgeliehen hat (ja, ich bin so ein Wirtschafts-Heini und ja, meine Knie werden bei Apple-Werbespots weich, weil das keine Firma, sondern eine lebende Legende ist), muss jetzt keine Angst bekommen: Die Themen führen zwar immer wieder auf einen wirtschaftlichen Aspekt zurück, nehmen aber auch mal Wendungen ein, die erst mal nicht viel mit Wirtschaft zu tun haben. Es gibt hier also nicht nur langweilige Diagramme und Fachsprache, die kein Mensch versteht (Diagramme gibt es zwar auch, aber sie sind nicht so kriminell langweilig, dass man darüber die Existenz von Diagrammen verfluchen müsste und Fachsprache gibt es auch, sie ist aber human). 

Es ist also wirklich nicht trocken, sondern sehr anschaulich, und kein riesiger Brummer, sondern eine gute Start-Hilfe für Gründer und solche, die es werden wollen. Und eben auch für Leute, die sich für Wirtschaft, Geschichte, Politik, Philosophie usw. interessieren und schon immer mal wissen wollten, warum diese Wirtschafts-Blasen eigentlich immer platzen, warum Unternehmen, wie Google und Co. funktionieren, was die Gründer von PayPal eigentlich in ihrer Jugend gemacht haben (Spoiler: die meisten haben Bomben gebaut) oder wie man die Zukunft beurteilen und verändern kann. Oder solche, die das eigentlich nicht wissen wollten, aber eben jetzt wissen und damit in jedem intelligenten Gespräch punkten können.

Wer sollte dieses Buch lesen?
Wirtschafts-Heinis, Nicht-Wirtschafts-Heinis, Interessierte, Gebildete (und solche, die es werden wollen), Zukunfts-Träumer, Träumer allgemein, teilzeit-Philosophen, Leute, die das ganze Wirtschafts-Gewusel ein bisschen besser verstehen wollen und vor allem Gründer. 
Zero to One ist eine herausragende Check- und Tip-Liste für Leute, die in der Wirtschaft mit ihrem Unternehmen und ihren Visionen Fuß fassen wollen. Und eben auch für solche, die es dann - im Gegensatz zu den hunderttausenden, die es nicht können - auch tun. 
Ich empfehle dieses Buch ab ca. 15 Jahren und dann aufwärts. Kann auch schon früher gelesen werden, Interesse muss aber vorhanden sein, sonst kann auch ein Mitt-dreißiger nichts damit anfangen.

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Bis dahin viel Spaß und Freude beim Lesen!
Liebe Grüße,
Antonia

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Danke, dass ihr durch eure Kommentare aktiv zum Training von Antonias Sprunggelenken beitragt. Sollte sie nach eurem Kommentar länger nichts posten, liegt es nahe, dass sie sich beim Rückwärts-Flick-Flack nach dem Entdecken einen Wirbel ausgerenkt hat.

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