8/02/2016

[Niederländisch für Anfänger - No. 07] "Veni, vidi, VASE"

Hallo meine Lieben!

Das ist heute eine absolute Premiere für mich, da das das (da das das - die deutsche Sprache ist was Tolles) erste Mal ist, dass (ehehe) ich einen Niederländisch für Anfänger-Post vorbereite. Normalerweise bin ich da sehr strikt wegen Authenzititität und so weiter, aber die Vorbereitung dieses Posts hat genau zwei Gründe: 1. Meine Lieblingsmutter reist morgen Nachmittag an und ich habe statt - wie geplant - heute Koffer auszuräumen noch nichts gemacht und im Zuge meines Plans, einen funktionsfähigen erwachsenen Menschen zu mimen muss ich das morgen definitiv nach dem Examen machen und kann deshalb nicht nachmittags schreiben (dicker trauriger Smiley) und 2. Es sind theoretisch nur noch eineinhalb Stunden bis zum Dienstag und deshalb leidet die Authentizität wahrscheinlich nicht ganz so rapide und sollte noch etwas wirklich abenteuerliches passieren, erfahrt ihr das schon. Und 3. - ich habe gelogen, es sind eigentlich drei Gründe - kann ich überhaupt nicht schlafen, weil mir das kommende Examen morgen und Gott und die Welt und das Buch im Kopf herumspukt. Pro Tipp für Schriftsteller übrigens: Denkt nach 22:00 Uhr einfach nicht mehr über Plot-Twists nach. Macht es nicht. Einfach. Nein. 

Nun sitze ich also schräg unter meiner ästhetischen IKEA-Todesstern-Lampe und da ich gestern (beziehungsweise heute) versprochen habe, ein bisschen mehr von den Examen zu erzählen, werde ich das wahrscheinlich auch mal machen. Lasst euch übrigens nicht von dem Caesar-Salat-Zitat (das ist heute nicht mal mein flachster Flachwitz gewesen, nur damit ihr mal eine Vorstellung habt, was sich meine Freunde bei WhatsApp täglich so geben müssen) aus der Titelzeile irritieren. Auf den ersten Blick scheint es einen Sieg anzukündigen ABER BÄM plötzlich steht da nicht das lateinische Wort für "siegte", sondern das deutsche Wort "Vase" - dieses gewiefte Wortspiel hat übrigens ebenfalls zwei Hintergründe, auf den zweiten komme ich noch, aber wir bleiben erst mal bei den Examen. Also. Examen. Ach ja. Examen. Ich bin ja ein Prüfungsmensch, kann man nicht sagen. Natürlich bin ich aufgeregt und mein Magen spielt vor Prüfungen immer total verrückt und macht komische Geräusche, aber an und für sich. Prüfungsmensch. Leider bin ich nicht nur ein Prüfungsmensch, sondern auch eine Katastrophe was mündliches Niederländisch angeht. 

Heute (wenn ihr das lest gestern) war das Schreibexamen dran - was, meiner Einschätzung nach - eigentlich ganz gut gelaufen ist. Also positiver Tagesstart. Und dann kam mein persönlicher Liebling. Also, nicht. Sprechexamen. Hach. Kann mich bitte jemand schein-entführen, damit ich mich um die Tatsache herum mogeln kann wie wenig von wenig das was wird? Wäre jemand bereit gewesen mich schein-zu-entführen ist das ein netter Zug, aber nun ja zu spät. Das Examen ist geschrieben, beziehungsweise gesprochen, und es war wirklich nicht gut. Okay, niemand ist aus dem Sprechexamen gekommen und hat das Adjektiv "gut" verwendet (alle fanden es katastrophal), aber ich glaube ernsthaft, dass ich durch dieses Examen mit Pauken und Trompeten gerattert bin. Ich sehe meinen halben Oberstufen-Jahrgang übrigens jetzt die Augen verdrehen, weil ich in den letzten zwei Jahren Oberstufe so oft den Satz: "Das war jetzt aber wirklich eine LK, bei der ich unterpunktet habe." gesagt habe und einfach nie unterpunktet war (außer in einer einzelnen Geo-Topografie-Arbeit, wobei ich nicht im Geo-Kurs war und sie nur mitgeschrieben habe, weil meine Freunde im Geo-Kurs waren und ich nichts zu tun hatte, deshalb zählt das nicht) (und ungefähr ein dutzend Mal in Sport-LKs, aber 0 Punkte in Kletterstange sind keine Schande). Aber ich schwöre - bei Heinrich Heine - ich bin beim Sprechexamen durchgefallen. Versteht mich nicht falsch, ich nehm das eigentlich relativ locker (bisher), weil ich den Sprachkurs ja nicht mitgemacht habe um das Examen zu bestehen sondern um Land, Leute und Leben ein bisschen kennenzulernen (und das ist geglückt), deshalb wird das mehr eine transzendentale Erfahrung für mich als alles andere, aber trotzdem. Meh. Scheiß Sprechexamen.

Morgen (beziehungsweise heute - das mit dem Vorbereiten und den verschobenen Zeitformen hier ist viel zu anstrengend für irgendwann elf Uhr Abends) sind dann noch Lesen und Hören dran - zwei Multiple-Choice-Tests, die ich auf mich zukommen lasse, über die ich mir aber ehrlich gesagt nicht so den Kopf gemacht habe. Entweder kommen humane Texte dran oder eben nicht, grundsätzlich kann ich beides. Aber Sprechen. Ach, man. Irgendwie ein bisschen schade, dass es daran wahrscheinlich scheitern wird. Aber Nachprüfung - habe ich mir geschworen - werde ich mir nicht geben, da ich mich 1. auf Sprechen sowieso nicht wirklich vorbereiten kann, jedenfalls nicht in dieser Periode zwischen Examen und Nachprüfung und 2. 70€ extra für eine Examenswiederholung, die ich nicht brauche und wahrscheinlich wieder nicht bestehen werde, so viel besser in - keine Ahnung, Bücher - investiert werden können. Würde ich das Examen tatsächlich brauchen, würde ich zu dieser Sache wahrscheinlich komplett anders stehen, aber wie bereits erwähnt: Ich brauche das Examen nicht, da ich auf Englisch studiere und nicht auf Niederländisch und nur mitgemacht habe, um die Basics zu bekommen, mit denen ich dann weiter arbeiten kann. Soweit dazu, also lasst euch nicht von dieser Entspannung hier täuschen, spätestens bei den ersten Psycho-Klausuren werde ich wieder zum Tier. 

Mir war es wichtig, mal was über gefühlte Total-Versagens-Momente zu schreiben, weil ich auf Instagram und Co. häufig Leute sehe, bei denen oben im Profil "Regel Nummer eins: Sei niemals Nummer zwei." steht. Ich habe eine Hassliebe zu solchen Studybloggern. Weil auf der einen Seite: Super, dass sich Leute so anstrengen und ambitioniert ihre Pläne verfolgen und dafür Opfer bringen - ich finde das sehr inspirierend. Aber andererseits: Ich habe ein gutes Abitur gemacht, aber auch ich lasse mich manchmal von diesem Streben nach Perfektion so fertig machen, dass man am Ende nicht mehr die 1,2 im Abidurchschnitt sieht, sondern die 0,2 die zur 1,0 gefehlt hat. Und das. Schreibt es euch auf. Stickt es auf ein Kissen. Tätowiert es euch auf die Stirn. Ist nicht, wie man über sich selbst denken sollte. Man ist immer irgendwo nicht die Nummer eins. Man verhaut immer mal Examen - aus welchen Gründen auch immer. Irren und Wirren und Verwirren ist so menschlich und so wundervoll, weil es uns - im Gegensatz zu Perfektion - wirklich weiter bringt und die guten Anekdoten liefert, die ich in solchen Formaten hier verarbeiten kann. Und so sehr ich mir auch manchmal wünsche, da würde eine noch bessere Note stehen oder ich wäre noch produktiver und noch erfolgreicher und noch besser. Scheiß drauf. Man darf auch mal einfach stolz sein, ohne sich die Erfolge anderer unter die Nase reiben zu lassen, die einen selbst immer kleiner werden lassen. Irren ist ein Teil von mir und Gott, es ist ein wichtiger Teil. Ich wäre nicht ich ohne mein Irren. Und das wäre - auf lange Sicht betrachtet - viel schlimmer als fehlende Perfektion. Es gibt eine ganze Menge mit bestandenen Examen und guten Zeugnissen, aber nur eine Antonia. Und am Ende des Tages ist es das, was zählt. Weil ich muss ja nicht mein Leben lang mit meinem Zeugnis rumhängen, sondern mit mir selbst.

So. Das war jetzt offiziell das Wort zum Montag Dienstag. Ich bin sicher, dass ich über dieses ganze Perfektionismus-Streben noch mal einen extra Post verfassen werde, da das ein Thema ist, das mich in letzter Zeit sehr umgetrieben hat und über das ich allgemein gern mal sprechen würde, weil ich das Gefühl habe, dass wir mal drüber sprechen sollten. So von Abigeneration zu künftigen Abigenerationen und Mittlerereifegenerationen und Hauptschulgenerationen und sonstigen Generationen. Zu Perfektionismus-Generationen. Wir müssen reden. Aber nicht heute, sicher in näherer Zukunft. Bis dahin...

Liebe Grüße,
Antonia


P.S.: Weshalb der Post heute den klanghaften Titel "Veni, vidi, VASE" trägt, liegt übrigens darin begründet, dass ich vor ein paar Tagen ein wunderschönes Gefäß (es ist eigentlich keine Vase, aber ich konnte der Alliteration nicht widerstehen) gekauft habe. Es ist eine weiße gerade zulaufende Dose aus irgendeiner Art Ton oder Porzellan etc. (ich habe keine Ahnung, ehrlich) mit einem Holzdeckel. Auf diese Dose sind unten Regentropfen gemalt. Und eigentlich ist alles, was ihr über sie wissen müsst, folgendes: Sie ist perfekt. Nicht für jeden, aber für mich. Als hätte dieses Stück Welt nur auf mich gewartet. Ich bin gekommen, ich habe sie gesehen, ich musste sie kaufen. Einfach, weil es so "ANTONIA" geschrieen hat. Jetzt steht da also eine Dose bei mir herum und ich bin noch nicht ganz schlüssig, was in die Dose kommt. Aber Leute, sie ist so perfekt.

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Danke, dass ihr durch eure Kommentare aktiv zum Training von Antonias Sprunggelenken beitragt. Sollte sie nach eurem Kommentar länger nichts posten, liegt es nahe, dass sie sich beim Rückwärts-Flick-Flack nach dem Entdecken einen Wirbel ausgerenkt hat.

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