8/12/2014

[Gedankenschnipsel] Ich mag Züge...

Hallo meine Lieben! 

Puuh.
Sitze gerade im Zug von Frankfurt am Main nach Stuttgart und bin vollkommen geplättet. Warum? Jaah, die Deutsche Bahn macht ihrem Ruf mal wieder alle Ehre. Was sagte Tino gestern noch zu mir? Mal sehen, wie sehr du dich verspätest.
Hahahaha.
Wenn Tino gewusst hätte, wie sehr ich mich tatsächlich verspäte, hätte er wahrscheinlich keine Witze gemacht. Eine Stunde und rund 15 Minuten bin ich zu spät in Frankfurt angekommen. Der Anschlusszug war natürlich weg. Meine Sitznachbarin im ersten Zug war aber glücklicherweise sehr nett und hilfsbereit. Und sie fasste meine ganze Zug-Misere in einem ziemlich treffenden Satz zusammen: »Na, da haben Sie auf Ihrer ersten Fahrt dann auch wirklich alles erlebt.«
Außer vielleicht einen explodierenden Speise-Wagon. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Fahre immerhin noch mehr als eine Stunde.
Aber genug gemeckert. Wie heißt es so schön? »Was dich nicht umbringt, macht dich stärker?« - ich hatte zwar heute nicht wirklich das dringende Bedürfnis in irgendeiner Weise sonderlich stärker gemacht zu werden (und schon gar nicht, wenn ich das erste Mal allein mit dem Zug fahre), aber man kann sich Zeitpunkte für Reise-Charakter-Entwicklung ja auch nicht aussuchen. 
Jedenfalls bin ich momentan ganz froh, dass ich auf meinem Platz sitze, den Laptop auf diesem kleinen Ausklapp-Tischchen, leider ohne WLAN (was es in meinem EIGENTLICHEN Anschlusszug gegeben hätte) und mit durchaus trainierteren Armmuskeln (Ja, Antonia - ich muss dringend aufhören in der 3. Person von mir zu sprechen - durfte ihre Reisetasche von Gleis 6 bis Gleis 12 tragen und ich glaube ich verstehe, was meine Mutter heute Morgen noch mit »Wenn man allein ist, entfalten sich ungeahnte physische Kräfte.« meinte…). 
Ironischerweise war ich auf der Zugfahrt gerade dabei, »Für Eile fehlt mit die Zeit« von Horst Evers zu lesen. Für Zugfahrten übrigens sehr gut geeignet (wenn auch für ein wenig entspanntere, als die, die ich gerade hinter mir habe). In dem Buch geht es um diese kleinen ungewöhnlichen Alltagsgeschichten, liebenswert, lustig und ich kann Horst Evers momentan sehr gut verstehen, wenn er genau solche ungewöhnlich-gewöhnliche Situationen festhält. Das Bedürfnis hatte ich nämlich auch gerade. 

Ich weiß, dass dieser Eintrag eher weniger um Bücher kreist, als gewöhnlich. Aber manchmal kann man auch schlichtweg beim Zugfahren nach den großartigsten Geschichten suchen. Im Ernst: Meine Deutschlehrerin erzählte meiner (mittlerweile ehemaligen) Klasse von einer Autorin, die, immer wenn sie nach Inspiration suchte, einfach eine Zugfahrt machte. Zum Menschen beobachten. Ich fand die Idee schon damals ziemlich klasse und nachdem ich jetzt das erste mal selbst eine Muse (in diesem Fall zu diesem Geschreibsel, was ihr gerade lest) darin gefunden habe, bin ich davon noch viel überzeugter. 
Also, an alle Autoren auf Musen-Suche: Eine schön lange Zugfahrt kann Wunder bewirken. Und wer braucht schon lange, philosophisch wertvolle Spaziergänge, wenn es die Deutsche Bahn gibt? Obwohl ich zumindest dieses Mal anmerken muss, dass der Zug aufgrund eines Notarzt-Einsatzes (oder so ähnlich) umgeleitet werden musste. Es war also eigentlich nicht direkt die Schuld der Deutschen Bahn, dass ich einen Sprint hinlegen musste, den kein Mensch, der mich näher kennt, nur im Ansatz von mir erwarten würde. Aber es geschehen ja offensichtlich doch noch Zeichen und Wunder. Ganz großartig. 

Aber noch einmal zu der Sache mit der Inspiration zurück… Es ist wirklich verblüffend. Ich bin ja - wenn ich keine Verspätung habe - ein absoluter Fan vom Zugfahren. Wirklich. Ich liebe es. Seit mehr als einer halben Stunde höre ich alle fünf Minuten Durchsagen von Orten, die ich zuvor noch nie in meinem Leben gehört habe. Der Mann, der über den Gang schräg-rechts von mir sitzt und ebenfalls seinen Laptop draußen hat, hat ein echtes 10-Finger-tipp-System und für mich gibt es sowieso kein entspannenderes Geräusch, als Tastatur-Klicken (ich werde also in der nächsten Stunde höchstwahrscheinlich noch einen sehr meditativen Zustand erreichen, wenn er weiter etwas schreibt). Ach ja, gerade kam eine Durchsage. Der nächste Halt ist Heidelberg. Das kommt mir doch schon mal bekannt vor. Halleluja, ich fahre also in die richtige Richtung! Und bei der Fahrscheinkontrolle gab es eben auch keine Schwierigkeiten. 

Angesichts meiner heutigen Erlebnisse muss ich sagen, dass ich schon ein bisschen stolz auf mich bin. Kennt ihr das, wenn ihr irgendwelche (kleinen, großen) Schwierigkeiten meistert ohne irgendwann hysterisch in Tränen auszubrechen? Wenn ihr wirklich total cool bleibt und die Dinge so nehmt, als hättet ihr sie schon ungefähr tausend Mal gemacht? Da kann man sich doch schon fast so alt fühlen, wie man eigentlich ist. 
Zugfahren ist wirklich in vielerlei Hinsicht Balsam für die Seele. Wer es bisher noch nicht gemacht hat, sollte auf jeden Fall damit anfangen. Einfach aus Prinzip. Gut für die Umwelt, gut für die Seele, gut für die Inspirationssuche. 

Aber jetzt lehne ich mich erst mal zurück und genieße die restliche - hoffentlich stressfreie - Zugfahrt. Und wenn ihr diese Nachricht lest, dann könnt ihr davon ausgehen, dass ich auch tatsächlich unbeschadet bei Tino angekommen bin und die Möglichkeit hatte, den Text  abzuschicken. 

Bis dahin, 
Liebe Grüße, 
Antonia

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Danke, dass ihr durch eure Kommentare aktiv zum Training von Antonias Sprunggelenken beitragt. Sollte sie nach eurem Kommentar länger nichts posten, liegt es nahe, dass sie sich beim Rückwärts-Flick-Flack nach dem Entdecken einen Wirbel ausgerenkt hat.

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